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Ab in den Garten!

Unsere Montage beginnen sehr früh, weil beide großen Jungs kurz vor 8.00 Uhr schon in ihren Gruppen erwartet werden. Wir waren also früh wach und auch früh frei. Dazu noch das tolle Wetter!

Ich habe zwei Maschinen Wäsche gewaschen und abends wieder trocken in den Schrank gelegt! Ich saß mit Jari auf der Terrasse. Ich habe meine Pflanzen gegossen und den Garten genossen.

Jari wird zweimal in der Nacht wach. Wenn seine zweite Trinkpause so um 5.00 Uhr morgens stattfindet, schläft er schlecht wieder ein. Die drei Männer weckt er nicht, mich hält er aber schön wach. Der Vormittag blieb also ruhig und entspannt.

Als die Kinder mittags wieder zuhause waren, hatten wir Zeit und blieben einfach im Garten.
Emilian stocherte in einem Sack mit Blumenerde herum und weil Jari friedlich im Kinderwagen neben uns lag, suchten wir uns ein paar Blumenkästen.

Bei der letzten LadiesNight am Freitag haben wir nämlich zusammen gepflanzt, bzw. selbst ein Saatband für Möhren-Samen hergestellt. Ich legte also in einen Blumenkasten die zwei Saatbänder, in den anderen kamen kleine Salatpflänzchen. Emilian versorgte sie gut mit Erde und Wasser – und Liam ging halbstündlich nachsehen, wie sehr sie gewachsen waren.

Zusammen pflanzten wir einen neuen Flieder-Busch in den Garten, nachdem wir vier ordentlich über den besten Platz diskutieren mussten.

Papa und Emilian machten sich auf den Weg, denn im Kletterkurs, den Emilian im letzten Jahr ausprobiert hatte, war überraschend ein Platz frei geworden. Montag Nachmittag ist also jetzt Papa-Emilian-Kletterzeit!

Weil noch so viel Blumenerde übrig war und ich mich an einen Gutschein für einen Blumenladen an der Ecke erinnerte, zog ich mit meinen beiden kleinen Jungs nochmal los. Im Eiscafé neben dem Blumengeschäft bekam Liam eine Kugel Pfefferminz-Eis und ich sah mir die Blumentöpfe an. Nach ein paar Tipps vom Inhaber entschied ich mich für ein Rose und eine Glockenblume.

Jari war müde und weinte ein bisschen – und während ich meine Blumen im Geschäft bezahlte, sah ich draußen drei Omis um den Kinderwagen herum stehen. Eine versuchte, Jari den Nuckel zu geben, eine andere redete ihm zu und die dritte war mit ihrem Hund beschäftigt. Liam stand ganz nah am Wagen und löffelte sein Eis.

Gestern Mittag im Kindergarten hatte ein Mädchen versucht, Jari den Nuckel reinzustopfen – während er richtig tief schlief. Natürlich wurde er wach und kam lange nicht wieder zur Ruhe. Das hat mich geärgert. Aber die älteren Damen am Blumenladen störten mich nicht. Sie waren so entzückt und glücklich.

Ich nahm Jari am Blumenladen auf den Arm, stellte die Blumentüte in den Wagen und wir liefen durch schöne Abendsonne nachhause. Unterwegs tauschten wir dann wieder und Jari schlief sofort im Wagen ein.

Als die Kletter-Männer wieder kamen, wühlte ich gerade wieder im der Erde und stellte die schönen Töpfe in den Garten.

Wir haben Freunde in ein paar Wochen zu einer Gartenparty eingeladen. Zusammen möchten wir ein paar Aufgaben im Garten erledigen und haben die Freunde um Hilfe gebeten. Um genug Essen und Getränke kümmern wir uns dafür.

Der Garten wächst uns gerade über den Kopf – könnte man sagen. Und ich bin sehr glücklich, dass ich schon ein paar Kleinigkeiten geschafft habe.

Ich habe auch entdeckt, dass wir in diesem Jahr viele Erdbeeren, Himbeeren und Kirschen haben werden. Und wenn erst der Holunder blüht… Das ist so toll!

Emilian war übrigens begeistert vom ersten Termin. Anders als beim Schwimmen muss er nämlich nichts bestehen oder beweisen – sondern es geht ums Klettern und um Spaß. Und beides kann er ziemlich gut!

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Die Kindergeburtstage 2017 sind vorbei..

Es ist ruhig – und vor allem sauber bei uns.
Beide Kindergeburtstags-Partys sind wieder einmal überstanden.

Diesen Beitrag hier schrieb ich -ähnlich erschöpft- am 22. März 2016.

Die Jungs schlafen, der Geburtstagstisch biegt sich unter tollen Geschenken und fast alle Spuren sind beseitigt! Der Wohnzimmer-Boden war so dreckig, wie lange nicht mehr. Am Ende haben wir den Tisch abgewischt und alle Krümel und Deko-Reste einfach auf den Boden gefegt. Ein schönes verbotenes Gefühl! Und das Knistern dann im Staubsauger…Ich liebe meinen Staubsauger übrigens!

Ich habe in diesem Jahr für beide Partys nicht meine volle Zeit und Kraft gegeben, aber den Kindern und uns hat es Spaß gemacht – und jetzt ist es vorbei! Einmal Dschungel für Liam und heute Cars für Emilian.

Vorher – Nachher

   

Erstaunlicherweise habe ich nicht viele Cars-Artikel mehr in den Läden gefunden. Ist die Zeit schon vorbei? So habe ich mehr selbst gemacht oder mich am Thema „Auto“ entlang gehangelt.

Dank Pinterest – ich kann es immer wieder sagen – bekam ich schöne Deko- und Spiel-Ideen. Am Ende hatte ich zu viel Essen und zu wenig Bewegungs-Spiele. Wer kann den ahnen, dass eine Horde 5-7jähriger am Ende eines langen Tages keine Tassen anmalen, sondern „Feuer, Wasser, Sturm“ im Garten spielen möchte??

Die Kinder – eine Mischung aus Familie, Schule und Kindergarten – haben sich sehr gut verstanden und es gab weniger emotionalen Stress. Viel glockenhelles Lachen, Rülpsen, uralte Schulwitze und unruhige kleine Popos gab es. Emilian hätte sich am liebsten sofort mit seinen neuen Lego-Packungen zurückgezogen und mit dem Bauen angefangen. Aber er kann mit dem vielen Hin und Her in sich drin schon gut umgehen und war ein guter Gastgeber.

Einen Transformer hat Emilian bekommen. Ich kannte sowas nicht – aber es war der Hit für Emilian und die anderen Jungs. Und meinen Mann.
Auch die Lego Creator-Geschenke sind toll. Immer wieder neu. Und für viele Altersstufen.
Dann gab es ein tolles Forscher-Set und eine Wasserbomben-Füllstation. Damit hätten die Kinder ja am liebsten auch gleich angefangen…
Als Frau und mit vielen Schwestern und so finde ich Lego zwar toll, aber ich dachte, dass Emilian vielleicht nicht so den Wert sehen kann. Ich weiß, dass Mann und Bruder und Schwager mir widersprechen würden und aufhören würden zu atmen, würde ich ihr Kindheits-Lego anrühren… Inzwischen sehe ich aber tatsächlich auch, wie viel Glück es Emilian bereitet, wenn er – noch vor dem Abreißen Öffnen des Geschenkpapieres hören kann, dass sich Lego im Geschenk befindet. Und sowas wie „Das hab ich schon..“ gibt es ja bei Lego auch nicht. Sondern nur Kreativität.
Für Liams Wunschliste habe ich sogar nach Farben sortierte Packungen entdeckt, mit Bau-Ideen! Blau und Grün hat er bekommen. Rosa hab ich mir verkniffen, obwohl es ein sehr schönes rosa ist…

Doch das sollte eigentlich kein Lego-Eintrag werden, sondern ein schneller Geburtstags-Bericht.

Wir haben zum ersten Mal in diesem Jahr den Grill angeschmissen und die Kinder haben sich auf die Würstchen gestürzt. Wenn es etwas wärmer gewesen wäre, hätten wir bestimmt auch die Eltern, die pünktlich um 18:00 Uhr zum Abholen kamen, mit an den Tisch eingeladen. Wir hatten nämlich echt viel! Aber die Kinder hatten schon wieder Hummeln im Hintern und zwei Stunden Pause vor dem ins-Bett-gehen tat meinen Jungs auch gut.

Das war es jetzt also!
Liams Geburtstag wurde am Dienstag in der Kita nachgefeiert. Ein paar kleine Termine mit meinen Geschwistern und Großeltern stehen noch an und wir als Familie werden zusammen unseren Lieblings-Eisladen, der uns an Kalifornien erinnert, besuchen. Gestern nach dem Schwimmen waren wir als Überraschung dort, aber der Laden hatte geschlossen. Wer hat denn dienstags bitte Ruhetag???

Ich finde meine Jungs ganz toll und kann eigentlich nicht glauben, dass sie 5 und 7 Jahre alt sind. Dafür brauche ich noch ein paar Tage. Sie sind so wunderbare Kinder, dankbar und gut gelaunt und ich finde, dass sie tolle Freunde hier haben.

Jari – in der Manduca – hat auch sehr gut mitgemacht.
Er ist jetzt zwei Monate alt!
Und ja: Er sieht genauso aus, wie seine Brüder.

Ich möchte jetzt erstmal keine Listen mehr schreiben.
Ich möchte vormittags mit meinem Kaffee auf der Couch sitzen, Tulpen kaufen, mit den Jungs durch die Sonne spazieren, Pokémon fangen, Blümchen fotografieren und so weiter.
Die Gedanken an das Oster-Fest melden sich schon an, ich werde meinen kleinsten dann Neffen zum ersten Mal sehen, ich suche Geschenk-Ideen für so viele liebe Menschen aus der Familie, die im April Geburtstag haben. Ach ja, und ich hab ja dann wohl auch in zwei Wochen Geburtstag…

Aber jetzt ist erstmal Pause. Und Frühling.

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Liams 5. Geburtstag

Der Tag nach dem Geburtstag.
Ich habe gerade erst gefrühstückt. Davor habe ich eine Wäsche angemacht, das Kinderzimmer aufgeräumt, das Baby gewickelt und umgezogen, Kaffee gemacht, ein bißchen aufgeräumt…
Hier stehen Reste vom Geburtstagsessen, es knirscht unter meinen Füßen – und eigentlich sollte ich mich auch schon an die Planung von Emilians Party machen…

Meine Schwester war zwei Tage da und hat ganz viel geholfen und ich habe vorsichtig und entspannt geplant – und auch unterwegs immer mal wieder was weggelassen. Trotzdem ist so eine Party (mit Baby) schon eine kleine Herausforderung.

Geburtstagstisch

Ich war und bin sehr stolz, dass ich es geschafft habe, ein schönes T-Shirt für Liam zu bemalen.
In Amerika hatten wir die 2er und 4er Shirts, als sie so alt waren und sie liebten diese Oberteile.

Am Montag machten wir mit den Kindern zusammen einen schönen Papageienkuchen (Backmischung!) und kleine Spieße für die Kita.

Wir dekorierten das Wohnzimmer „dschungelig“ und Emilian durfte ein paar Spiele mit vorbereiten.

Weil wir beide Jungs miteinbezogen und am Tag vorher schon anfingen, hatten wir alle mehr davon.

Ich konnte Liam auch gar nicht so richtig überraschen, denn leider mussten wir den Kuchen und die Obstspieße am Dienstag morgen wieder mit nachhause nehmen. Liams Kindergarten-Gruppe musste spontan geschlossen bzw. aufgeteilt werden. Weil er seinen Geburtstag nicht in einer fremden Gruppe verbringen wollte, verbrachten wir den Vormittag eben zuhause.
Bis die Gäste kamen, mussten beide Jungs tapfer warten und gingen sich und uns schon mal auf die Nerven – vor allem, weil sie seit 5:30 Uhr wach waren!

Zwei Mädchen und zwei Jungen waren eingeladen und wir hatten tolles Dschungel-Essen und Programm. Mit kleinen gebastelten Ferngläsern sollten die Kinder Dschungeltiere im Garten suchen, die Emilian vorher mit meiner Schwester versteckt hatte. Ohne das zu wissen, hatte eine Mama ein tolles Fernglas von der Wunschliste geschenkt und Liam war der Held! Aus einem Sack mit verschiedenen Gegenständen durften die kleinen Dschungelforscher einen Kristall erfühlen und behalten. Alle Kinder haben gut mitgemacht und ein paar Streitigkeiten schiebe ich mal auf Müdigkeit und Überforderung.

Wackelpudding mit versunkenen Tieren

Ameisen am Spieß

Als mein Mann nachhause kam, schlachtete er mit den Kindern eine echte Kokosnuss!

Liam hat tolle Geschenke bekommen. „Hausaufgaben“ hatte er sich gewünscht.
Und jetzt sitzt er schon hier und arbeitet.

Ich könnte noch ein paar Sätze über Liam, unser Mittelkind schreiben. Wie toll er ist und wie er den neuen Platz in der Familie finden muss… aber ich schreibe mit einer Hand und die Sonne scheint und Emilian muss gleich abgeholt und die Wäsche aufgehangen werden… also später mehr dazu.

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Entscheidungen.

Viele Grüße von der Couch!
Ich habe wieder mal einen Abend ohne Mann überstanden. Es lief nicht so nach meinem Plan, aber es war gut.

Und ich merke, dass ich immer entscheiden kann, was sowas mit mir macht. So ein Abend, den ich anders wollte. So ein Baby, das nicht schlafen will. So eine dreckige Küche. So eine fertige Waschmaschine, fällt mir grad ein – ich bin dann mal weg..

Ich gebe meine Sauberkeit und mein Aussehen und meinen Zeitplan nicht ganz auf. Ich lerne von Kind zu Kind mehr, Dinge sein zu lassen und Zeit zu sparen und entspannter zu werden. Aber es gibt Sachen, die müssen einfach sein, die lasse ich mir noch nicht nehmen. Und das ist meine Entscheidung.
Mal ein paar Beispiele aus den letzten Tagen:

Ich könnte genervt auf der Couch neben Jari liegen, ihm ungeduldig über den Rücken streichen und darauf warten, dass er einschläft und ich endlich sauber machen und Abendbrot essen kann… Aber ich hab mich dazu entschieden, ihn mir schnell im Tuch um den Bauch zu wickeln, mit ihm Staub zu saugen, zu wischen und zu essen.

Ich könnte unzufrieden über die „langweilige Wahl“ meiner Kinder mit ihren Faschings-Kostümen sein und könnte daran denken, wie toll wohl andere Kinder aussehen… Aber ich hab mich dazu entschieden, mich an ihrer Freude am Sportler- und Cowboy-sein zu freuen und dankbar für ihre Kreativität zu sein. Und dass ich keine teuren neuen Kostüme kaufen muss.

Ich könnte mich aufregen, dass in Zeiten der finanziellen Unsicherheit natürlich teure Dinge kaputt gehen und bald ersetzt werden müssen… Aber ich hab mich dazu entschieden, abzuwarten, zu vertrauen, dass wir versorgt werden und treu wie Liam für ein neues Auto zu beten.

Ich könnte mich wundern, dass mein Mann und ich eine Stunde nebeneinander her spazieren, ohne ein Wort zu sagen und ich könnte denken, dass irgendwas ist und ich könnte krampfhaft Worte suchen, um irgendetwas zu sagen… Aber ich hab mich dazu entschieden, die vertraute Zweisamkeit zu genießen, die Stille Stille sein zu lassen und mit der frischen Luft und Natur meinen Kopf wieder aufzuräumen.

Ich könnte Emilians Wunsch auf Cake Pops zum Fasching ignorieren und stattdessen schnelle Muffins backen… Aber ich hab mich dazu entschieden, ihm seinen Wunsch zu erfüllen, den Tag freizuhalten und zwischen Stillen und nochmal Stillen und Kinder abholen und Mittag essen eben Cake Pops zu backen, in Schokolade zu tauchen und mit Streuseln zu dekorieren.

Ich könnte so genervt über meine trockenen Hände und ungepflegten Nägel sein (bin ich eigentlich auch) … Aber ich möchte mich dazu entscheiden, mich auf die Zeiten zu freuen, in denen ich wieder Zeit und Ruhe für Nagellack habe und mir bis dahin schön die Hände einzucremen.

Ich könnte meinen fremden weichen Bauch hässlich finden und genervt sein, dass ich nur unschöne Still-BHs tragen kann und noch nicht meinen Sport machen darf… Aber ich hab mich dazu entschieden, geduldig zu sein und mir zu sagen, dass ich erst vor 5 Wochen ein Baby geboren habe und dass die Zeit für Workout kommen wird. Immerhin passen mir meine Hosen von früher und mein Mann findet mich toll.

Ich könnte mich auf Pinterest in schönen Fotos und Rezepten und Frühlingsfarben verlieren… Aber ich hab mich dazu entschieden, erstmal die Rezepte zu backen, die ich noch auf der Liste habe und Neues Stück für Stück zu probieren.

Ich könnte beim Stillen ungeduldig auf der Couch sitzen und dem hinterhertrauern, was ich in den Minuten alles nicht schaffe… Aber ich hab mich dazu entschieden, die Zeit zu nutzen. Zum Lesen, zum Vorlesen, zum Schlafen, zum Baby angucken.

 

Ganz so einfach ist das alles nicht.
Oft erledige ich am Abend ganz viel und entscheide mich dann gegen den Schlaf. Geht nicht immer. Und ich vergesse oft, selbst zu essen und entscheide mich gegen ein paar ruhige Minuten, in denen ich sitze und esse. Geht auch nicht immer.

Aber das sind die ersten Wochen…
Und ich genieße!

Jari wächst, aber noch mussten wir keine Kleidungsstücke aussortieren. Er wird wacher und aufmerksam und grinst immer öfter mal. Er hat weniger Bauchweh, aber ich passe auf, was ich esse. Er schläft gut und viel, jetzt auch immer mehr draussen. Er sieht beiden Brüdern unglaublich ähnlich und wir sind gespannt, was für ein Kind er wird.

Emilian wird eine coole Socke. Er beendet jetzt Sätze so mit „Alter!“, er springt im Schlussprung auf Schränke und Regale, er ist fast zu cool fürs Aufräumen und Hausaufgaben machen und er hat’s voll drauf. Aber er hat ein riesengroßes Herz für seine Brüder. Er ist sehr liebevoll und geduldig, hilfsbereit und fröhlich, er hat einen feinen Humor und ist ein toller Kerl!

Liam ist ein ganz toller Junge. Beim Entwicklungsgespräch mit den Erziehern ist uns so aufgefallen, dass sowohl die Einschulung des großen Bruders, als auch die Geburt des kleinen Bruders etwas mit Liam gemacht haben. Diese Veränderungen prägen ihn. Er genießt es sehr, nicht mehr der Kleine zu sein und versucht doch, mit Emilian mitzuhalten. Er ist nicht so das typische stille Mittelkind, das man vergisst. Er genießt Zeiten alleine, Zeiten alleine mit Mama und Papa und unsere Aufmerksamkeit. Er kann sich sehr gut ausdrücken und überrascht uns mit tiefen Gedanken oder schlauen Zusammenhängen.

In den nächsten Tagen würde ich gern mit den Kindern die Terrasse und den Garten schön machen und endlich die Fenster putzen. Mal sehen, wie wir uns entscheiden…

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Ein besonderes Weihnachten

Ich werde nicht viele Worte über die letzten Geschehnisse in unserer Stadt verlieren. Es wird so viel gesagt, spekuliert, geschimpft und verbreitet.
Aber an der richtigen Stelle fehlen die Worte.
Uns und unseren Freunden und Familien geht es gut, obwohl es sich schrecklich anfühlt, jetzt plötzlich in Berlin und mit Berlin zu trauern.

Zur Weihnachtszeit teile ich sehr gern das Deckblatt der Berliner Morgenpost:

Umso wichtiger finde ich jetzt, das Gute und Schöne zu erzählen. Liebe und Hoffnung zu teilen, statt Angst und Schrecken zu verbreiten.

Ich erzähle euch von einer Weihnachtsfeier im Flüchtlingsheim.

Solche besonderen Feiern zu Weihnachten gehören zu meiner Kindheit. Wir haben oft mit Freunden aus dem Kinderheim, mit Flüchtlingen, mit Alkoholikern und anderen Bekannten gefeiert, die in der Gesellschaft am Rand stehen und zu Weihnachten gern mal vergessen wurden.

Singen in stinkenden Hausfluren, anonyme Tüten mit Kaffee, Seife, Obst und Schokolade packen, ein Lächeln aus Gesichtern sehen, die sonst nicht viel zu lachen haben, Schuhkartons für Kinder in anderen Ländern füllen, um ihnen das erste Weihnachtsgeschenk überhaupt zu bescheren, merkwürdige Gestalten am Weihnachtsabend neben uns unterm Baum zu haben, Essen teilen, Plätzchen in kalten Einkaufspassagen verteilen…

Wir vier Kinder waren immer dabei, es gehörte dazu, diese Leute zu besuchen oder einzuladen. Wenn ich daran denke, wie ich mich jetzt mit meinen eigenen Kindern zum Beispiel in einer Notunterkunft bewege („Fasst das nicht an! Geht eure Hände waschen! Nimm die Finger aus dem Mund! Setz dich bitte nicht dahin! …“), dann bewundere ich meine Eltern, wie entspannt und normal sie uns den Umgang mit „anderen Menschen“ beigebracht haben.

Wir vier wollten gestern zur Weihnachtsfeier in die Notunterkunft gehen, in die wir auch im Sommer regelmäßig zur Teestube gingen. Emilian ließ ich dann aber wegen seiner Erkältung mit Oma zuhause und auch mein Mann blieb im Bett liegen, weil er mal eine Pause brauchte. Ich war mit einer Freundin verabredet, die zum ersten Mal kommen wollte. Zusammen hatten wir Kinderpunsch gekauft und wollten ihn am Abend verteilen.

Liam kam nicht ganz freiwillig mit, aber kurz vor 17:00 Uhr machten wir uns zusammen auf den Weg. Es war dunkel und sehr kalt – fühlte sich ziemlich weihnachtlich an.

Wir parkten vor dem Heim und trafen viele Kinder und Erwachsene, die wir schon kannten, im Hof wieder. Die Tür zum Feierraum war noch abgeschlossen, der Punsch stand in den Wärmebehältern bereit und jemand mit einer Gitarre sammelte die Bewohner in der Mitte des Hofes um einen Kreis aus Kerzen.

Schon durch wenige gewechselte Worte fiel mir auf, wie gut viele Menschen dort inzwischen deutsch gelernt hatten! Mit den Kindern konnten wir uns richtig unterhalten. Und beim gemeinsamen Weihnachtlieder singen war der Text eindeutig zu verstehen. Die leichten Akzente aber machten die deutschen Volkslieder an diesem Abend zu etwas ganz Besonderem.

Nach ein paar Liedern wurden die Kinder ganz aufgeregt, denn die Tür öffnete sich und alle durften in den geschmückten Raum. Es gab einen Weihnachtsbaum, eine kleine Holzkrippe und viele Tische mit Tannengrün, Kerzen, Mandarinen und Keksen – wie es eben in so einem Weihnachts-Raum aussehen sollte. Am Rand standen ein paar Stühle und trotzdem war es kaum möglich, alle in den Raum zu bekommen.
Liam quengelte an mir herum, wir standen hinten und er sah natürlich kaum etwas. Es roch nach vielen aufgeregten Menschen, wir verstanden kaum ein Wort und Liam hatte keine Lust mehr. Ich setzte mich auf den Boden und nahm ihn auf den Schoß.
Ich sah kleine Kinder, die im Sommer noch Babys gewesen waren und jetzt ihre ersten Schritte machten. Ich konnte mich mit einer Mama unterhalten, die mich vorher nur schüchtern anlächeln konnte.
Mir fiel auf, dass viele Bewohner noch immer FlipFlops und zu kurze Hosen trugen.

Ein Mitarbeiter setzte sich hinter die Krippe und brauchte eine Weile, um gehört zu werden, aber mit der Aussicht auf tolle Geschenke, schafften es die aufgeregten Kinder und Jugendliche, der Weihnachtsgeschichte zuzuhören. Bestimmt hatten sie sie in den Schulen schon ein paarmal gehört, denn sie konnten gut folgen. Ein paar kleine Holzfiguren waren Maria, Josef, ein Hirte und zwei Schafe, eine große LED-Kerze war aus Mangel an mehr Figuren ein Engel.

Ich dachte bei mir, dass ich aus Rücksicht auf die Erlebnisse der Geflüchteten die Geschichte ein bißchen vorsichtiger und rücksichtsvoller erzählt hätte… Aber warum eigentlich?
Die weite, beschwerliche Reise der schwangeren Maria, ein großer böser König, kein Platz in den Wohnungen, eine Ruhestätte in einer dunklen, verlassenen Ecke… ist das nicht alles ziemlich genau so, wie die Familien aus Syrien es auch erlebt haben?

Am Ende der Geschichte bat ein anderer Mitarbeiter die Kinder, sich in Ruhe anzustellen. Man hatte uns vorher erzählt, mit wie viel Liebe und Aufwand für wirklich jedes Kind ein Geschenk ausgesucht wurde, in Altersgruppen eingeteilt. Die Kinder sammelten sich hibbelig um den Baum herum, als plötzlich die Tür wieder aufging und ein großer, echter Weihnachtsmann in rotem Kostüm mit Hut und Bart den Raum betrat.
Liam verschlug es die Sprache, noch nie hatte er einen richtigen Weihnachtsmann gesehen. Der Weihnachtsmann sprach leise und ruhig und lieb, wie man sich das so vorstellt. Er begrüßte jede Person mit der Hand und schob sich durch den Raum bis nach vorn zum Baum. Er bat um ein Lied von den Kindern und sofort fingen alle an, laut und aus vollem Herzen „Schneewittchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit?“ zu singen.

Die Mitarbeiter gaben dem Weihnachtsmann danach ein Geschenk nach dem anderen. Es waren volle Schuhkartons, dazu gehörte jeweils ein Schokoladenweihnachtsmann und eine große Tüte voller Süßigkeiten. Die Kartons waren beschriftet und jedes Kind, Jugendliche und auch Eltern wurden mit Namen aufgerufen.
Wenn eine Person nicht sofort reagierte, wuselten alle anderen so lang im Raum, bis sie sie gefunden hatten und zum Weihnachtsmann geschoben hatten.
Jedes beschenkte Kind rannte sofort strahlend zu den Eltern zurück und zeigte den Karton wie einen Schatz. Die kleineren von ihnen stürzten sich sofort auf die Schokolade, die größeren rannten hoch in ihre Zimmer oder zeigten sich gegenseitig ihre Päckchen. Es war ein sehr fröhliches, dankbares, glückliches, lebendiges Gewusel überall.
Liam wartete vergeblich darauf, dass sein Name gerufen wurde, aber ich erklärte ihm, dass wir für unser Weihnachtsfest noch dreimal mehr schlafen müssten.

Die Mädchen schnappten sich die Plätzchen-Teller und rannten über Haus und Hof, um Lebkuchen und Zimtsterne zu verteilen.

Eine Gruppe amerikanischer Besucher bespaßte die Kinder, die über den Hof flitzten. Die Mädchen wurden geschminkt und durften sich die Nägel lackieren lassen, für die Jungs wurden Luftballon-Figuren gedreht. Auch Liam war ganz stolz, als er ein grünes Ballon-Schwert bekam.

Ich freute mich, dass auch Männer und Frauen den warmen Punsch genossen, Plätzchen aßen und redeten und lachten. Einige von ihnen waren im Sommer eher in sich gekehrte Einzelgänger gewesen.
Obwohl es sehr kalt und windig war, war die Stimmung feierlich und festlich.

Ich weiß nicht, wieviele der Bewohner wussten, was Weihnachten für uns ist. Oder ob sie selbst vielleicht bereits Weihnachten gefeiert hatten. Ich weiß nicht, wie viele Geschenke die Kinder in den letzten zwei Jahren bekommen hatten. Ich weiß nicht, ob Kinderpunsch und Lebkuchen und Zimt für fremde Geschmäcker auch festliche Gefühle auslöst…
Aber ich weiß, dass der Abend ein besonderes Weihnachten für mich, für uns, für Berlin war.

„Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllt:
Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr. Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe! Ehre sei Gott im Himmel! Denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu.“

aus der Bibel, Lukas 2

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