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papa. mama. drei jungs. haus und garten. berlin.

Was los war. Und was nicht.

Die nächsten „Szenen aus unserem Alltag“ stehen an, ich möchte euch von einem Vorsatz erzählen und jetzt kamen die „12 von 12“ noch dazwischen..
Bevor wir wieder da sind, denn so schnell kann’s manchmal gehen, erzähle ich euch, was hier so los ist. Und was nicht.

 

Der September, Oktober und November waren wilde Monate. Wir hatten perfektes Wetter, wir waren viel in Süd-Kalifornien unterwegs, wir hatten fast immer Gäste, wir hatten Termine und Kinderbetreuung und Verabredungen …

Im Dezember habe ich zum ersten Mal so richtig unser Zuhause vermisst. Ich hätte gedacht, dass 25 Grad und Palmen und Strände die fehlende Weihnachtsstimmung ersetzen können. Können sie aber nicht. Wir hatten Adventskalender und Kerzen und genug Musik.. aber es hat nicht ganz geklappt. Als meine Mama und unsere Freundin am 15.12. wieder nachhause flogen, wurde es zum ersten Mal schwer für mich.

Mein Mann war normal arbeiten und hatte das Auto. Die Kinder waren mit sich und dem freien Zimmer glücklich, weil sie seit Oktober nicht mehr im „Kinderzimmer“ geschlafen hatten. Es wurde kühler und auch früher dunkel. Und ich.. hatte einfach nichts zu tun! Es gab keine Geschenke, die besorgt und eingepackt werden mussten. Es gab keinen Tannenbaum zu besorgen und zu dekorieren. Es gab keine Plätzchen mehr zu backen, weil wir jetzt noch die von der ersten und einzigen Back-Aktion haben.

Wir hätten uns einen Baum kaufen können und ich hätte mehr Geschenke nachhause schicken können und ich hätte… Aber wir wollten Weihnachten einmal anders feiern. Der Baum hätte nur Platz weggenommen und die Geschenke für die Kinder wären nur „Kompromisse, die in den Koffer passen“ gewesen.

Dass unsere Freunde hier im Dezember mit den Weihnachtsvorbereitungen gut beschäftigt waren, machte es nicht leichter. Wir kennen das und in Berlin wäre es uns nicht anders ergangen. Aber wir hatten kaum eine Weihnachtsfeier, wir hatten keine Gäste, kein Essen und keine Geschenke warteten auf uns. Wir hatten wenig zu tun und ich fühlte mich einfach einsam.

Am 23. und am 24. Dezember waren wir in einem Weihnachtsgottesdienst. Weil es im Bücherladen der Kirche am 24.12. bereits „Sale“ gab, kaufte ich dort drei kleine Geschenke für die Jungs. Am Abend des 24. gab es Kartoffelsalat und Würstchen und in der Nacht legte ich den Kindern ihre Geschenke hin. Omas und Tanten und Freunde hatten immer mal eingewickelte Geschenke mitgeschickt und so hatte jedes Kind tatsächlich 5 oder 6 schöne Geschenke. Das Auspacken am Morgen ging wie üblich ganz schnell und dann waren die Jungs wie üblich eine ganze Weile mit den neuen Sachen beschäftigt.

Und dann hatte mein Mann bis nach Silvester Urlaub.
Ich könnte über diese Zeit sagen: „Wir hatten so viel Familienzeit und haben viel zusammen gemacht!“ – Ich könnte aber auch sagen: „Wir sind uns in der kleinen Wohnung manchmal richtig auf die Nerven gegangen!“ Versteht ihr?

Wir haben ein paar neue Orte hier entdeckt, waren in einem Kindermuseum und auf den Spielplätzen. Aber ich habe unser Haus, den Platz, die Spielzeuge, den Garten und meine Familie vermisst. Sehr. Das hat sich komisch angefühlt. Zu Silvester wurde es sogar noch ein bißchen schwerer, weil wir irgendwie so pupsig in das neue Jahr gerutscht sind. So ungewohnt. Und allein.

 

Ich hätte nicht gedacht, dass ich Heimweh haben würde.
Es ist nämlich wunderschön hier!
Aber dann stelle ich fest, dass ich kaum Freunde zum einfach-mal-so Verabreden habe, dass ich auf das blöde Auto angewiesen bin, dass ich mich nicht traue, mich zu verabreden, weil ich nicht so gut englisch spreche, wie ich möchte, dass die Wohnung für die beiden Kerle zu klein ist und dass sie Platz und Spielzeug vermissen, dass ich bei Regenwetter nicht einfach irgendwo hin kann, ohne Geld auszugeben.

Ich stelle fest, dass wir gerade in einer Zwischen-Phase stecken.
Jetzt wäre der Zeitpunkt, an dem sich die Jungs hier wohler fühlen und Berlin laaangsam vergessen. Jetzt lernt Emilian gut englisch. Jetzt kennen wir uns aus und haben fast alles gesehen, was wir so sehen wollten. Jetzt ist Kalifornien weniger aufregend und mehr normal geworden.

Aber:
Jetzt, wissen wir, dass und wann wir zurück fliegen. Jetzt haben wir kaum noch Besuch. Jetzt werden die Kontakte nach Berlin seltener und ruhiger. Jetzt haben wir beide viele Ideen und Erfahrungen gesammelt, die wir unbedingt nachhause bringen möchten. Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr, was auch immer …

So sieht es aus, wenn ich ehrlich bin.
In Gedanken sortiere ich schon: Wegschmeißen/Mitnehmen/Verschenken. Ich frage mich, wie voll wir die Koffer kriegen.

Wir denken mehr und mehr an die Heimat und freuen uns auf Familie, auf Freunde, auf Brötchen und Croissants, auf eigene Betten, auf Platz im Garten, auf unsere Kirche und auf die Berliner Luft.

Unsere Gäste, die heute abend ankommen sollten, mussten ihren über Monate geplanten Urlaub einen Tag vor dem Abflug leider aus gesundheitlichen Gründen absagen. Damit fallen auch für uns ein paar Ausflüge weg, auf die wir uns gefreut haben. Trotzdem ist es für sie deutlich schwerer und trauriger.
Um mich euch jetzt mal ein bißchen auf andere Gedanken zu bringen, schreibe ich, dass ich mich freue…:

– … dass es gerade wieder richtig wundervoll warm ist.
– … dass MOPS Ende Januar endlich wieder anfängt.
– … dass ich zu einem „Bible Study“ für Frauen gehen werde.
– … dass wir als Familie zu Legoland und in die Universal Studios fahren werden.
– … dass wir vier einen Roadtrip nach San Francisco planen.
– … dass wir vielleicht noch einmal Gäste haben werden.
– … dass ich noch 2 1/2 Monate kalifornische Sonne genießen darf.

 

Die letzten Wochen waren irgendwie doof und dazu stehe ich jetzt auch. Trotzdem geht es uns gut! Emilian schreibt und malt wie ein Großer! Liam plappert und denkt wie ein Großer.. seines Alters. Die beiden Brüder ergänzen sich und haben so viel Spaß zusammen! Wir konnten ihnen in den Monaten hier wenig deutsche Freunde, wenig Platz in der Wohnung und nicht so viele Spiele wie in Berlin anbieten – und so tut es mir gut, dass sie wachsen, glücklich sind, kreativ werden, lachen und lernen.

Wir hatten viele, viele Zeiten zusammen als Familie und das ist ein Bonus, der für immer zu unserer Familie gehören wird.

 

Sunset

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Szenen aus unserem Alltag 3

Zuerst schulde ich euch einen Bericht about the 4th of July.
Einen eigenen Blog-Eintrag bekommt er nicht, denn so dolle war’s nicht. Für uns jedenfalls. So richtig weiß ich noch immer nicht, was „man“ am 4. Juli in Amerika so macht, denn wir haben eher gechillt. Zum Frühstück, um 9:00 Uhr, haben wir – völlig unamerikanisch, wie mir scheint – Fußball geguckt! Deutschland hat sensationell gegen Frankreich gewonnen. Am frühen Nachmittag waren wir mit einer befreundeten Familie am Strand in Laguna Beach verabredet. Und jetzt fällt mir ein: Das ist es, was man am 4. Juli so macht.. an den Strand gehen! Denn ich bin mir nicht sicher, schon einmal so einen vollen Strand gesehen zu haben. Oh my goodness. Aber das stört hier nicht. Und nackt ist auch keiner. Unsere Freunde wohnten lange in der Stadt und kannten also eine geheime Ecke. Wir parkten illegal vor einem Supermarkt, liefen ein Stückchen, stiegen eine Treppe hinab – und waren am Meer, fast schon im Meer. Von dem Tag an zählt Laguna Beach zu meinem Lieblingsort hier. Es ist so schön, dass man es mit Worten gar nicht kaputt machen will…

Strand

Laguna Beach

In einem Hotel an der oberen Küste wurde eine Hochzeit gefeiert. Die weißen Tische und Zelte machten das Bild perfekt. Mir taten die Männer leid, die in schwarzen Anzügen umher liefen. Es war so heiß an diesem Tag! Die Holztreppe, die uns nach unten führte, endete wirklich fast im Meer. Der Strand war eigentlich eine kleine Bucht und die Menschen, die zu weit vorn saßen, wurden ab und zu von einer mächtigen Welle überrascht. In die Nachbarbuchten kam man nur, indem man über Felsen kletterte. Das versuchten auch einige, mit Hund und Kind und Gepäck.. Die wenigsten kamen trocken an. Die Wellen waren so stark, dass unsere Kinder nicht allein ins Wasser kamen. Jede Welle entschied neu, wie weit sie den Strand überrollte. Auf dem Weg zurück riss sie alles mit, was da so lag. Flip Flops, Spielzeug, Kinder. Es verunglückte niemand, aber einige Eltern mussten ihren Kindern hinterher springen. An einem anderen Tag, wenn nicht 4. Juli ist, möchte ich gern noch einmal dort hin!

Wir sahen viele Menschen, die sich an diesem Tag irgendwie blau-weiß-rot kleideten. Die Strassen waren voller. Am Abend kamen wir sandig und verschwitzt zuhause an. Wir haben uns gegen Paraden oder Spaß-Parks entschieden, weil der Eintritts-Preis in keinem Verhältnis zum Interesse unserer Kinder stand. Ich hätte sehr sehr gern noch ein Feuerwerk in der Nähe angeguckt, aber es war spät und wir waren müde. Leider sahen wir auch von unserem Apartment aus keins.
Ich sag ja: So dolle war’s nicht.

 

Weitere Szenen:

* Bei einem Einkauf vor ein paar Tagen war ich kurz erschrocken:
Als ich eine große Milch-Flasche aus dem Regal nahm, rutschten die anderen Flaschen von hinten plötzlich nach, um die Lücke zu schließen. Ich schaute zwischen die Regale und sah dahinter ein richtiges Kühl-Lager mit vielen fleißigen Menschen!

* Am Anfang dieser Woche kam das erste Paket für uns an! Wir haben uns so gefreut! Emilian packte ungefähr 20 Pixi-Bücher aus und hüpfte wie ein Flummi. Endlich neue deutsche Bücher! Ausserdem fanden wir eine Mütze, die wir vergessen hatten, und eine Tafel Schokolade – komplett geschmolzen. Als ich mich bedankte, erfuhr ich von der Person, dass die Schokolade gar nicht von ihr kam, stattdessen aber persönliche Karten und evtl. ein paar Bücher fehlten. Wahrscheinlich war das Paket unterwegs kaputt gegangen – als Trost hatte irgendein Postamt dann die Schokolade dazugeworfen. Verschickt man im Sommer Schokolade mit der Post? Da wir nicht wussten, ob und welche Bücher fehlten, gaben wir auch keine Suche in Auftrag…

* Eines Abends lagen wir gerade alle im Bett, die Lichter waren aus, als plötzlich ein Lied der Wiseguys anging. „Er war der beste in Latein“. Das ist nicht mein Klingelton, kein Weck-Ton, kein „Zuletzt gespielt“ oder sonst irgendein Ton. Nach einer kurzen ????-Phase machte ich das Licht an und sah, dass ich – wahrscheinlich nach dem Hände waschen – ein paar Wassertropfen auf mein Handy getropft hatte. Und ein ganz dreister von denen hatte sich dann eben ein Lied für uns ausgesucht und es abspielen lassen. Ts.

* Aus Mangel an Alternativen sehen wir uns manchmal alte Videos von den Kindern an. Das ist zu schön! Müsst ihr mal machen! Über Emilian als 1, 2, 3jährigen lachen wir viel und können uns kaum an die Zeiten erinnern. Einige Töne oder Gesichtsausdrücke hat er behalten. Liam kann sich selbst als kleines Baby gar nicht sehen. Meist geht er vom Computer weg, wenn wir in Erinnerungen dahinschmelzen. Es ist schön zu sehen, dass sich die beiden Jungs schon immer geliebt und zum Lachen gebracht haben.

* Shred.
Still on my way.
Ich habe heute Tag 9 von Level 2 gesportet. Ich hoffe, ihr zählt nicht mit, denn ich komme ab und zu durcheinander und habe bestimmt auch 1 oder 2 Pausen gemacht. Level 2 macht jetzt fast Spaß und die 20 Minuten gehen so schnell rum! An einem Tag hat mein Mann mitgemacht und es hat sooo gut getan, besser zu sein! Wie er geschnauft hat! Ich bin es nicht gewohnt, so viel zu schwitzen und die tägliche Dusche habe ich mir auch nie gegönnt, aber es tut wirklich gut.
Wer von euch ist noch dabei???

* Am Ende der ersten Halbzeit des unglaublichen, legendären Deutschland-Spiels ist mein Mann zu einem Freund in die Kneipe gefahren. Dieser Freund ist Bayern München Fan und sein Herz schlägt (nicht nur im Fussball) für Deutschland Als mein Mann wiederkam, erzählte er mir begeistert von dem „deutschen Ghetto“, das er da entdeckt hatte. Wir alle werden dort am Sonntag zum Finale sein. Ich bin sooo gespannt! Wenn Deutschland spielt, ist es schwer für mich, hier zu sein – und nicht in Berlin. Hier interessiert sich fast niemand für den World Cup, schon gar nicht, seit die USA nicht mehr dabei ist. Allein vorm Bildschirm ist selbst ein 7:1 irgendwie doof. Einige gucken aus Spaß mit uns mit und sind natürlich für Deutschland.. aber das ist alles kein Vergleich zu dem unbeschreiblichen Gefühl, was sich in diesen Tagen über ganz Berlin legt.. In den Strassen hört man die Nationalhymne aus den Wohnungen, jedes Tor wird zusammen gefeiert, unterwegs lächelt man sich plötzlich an, Autos sind wild geschmückt, niemand stört das Hup-Konzert und es werden viele Augen zugedrückt, was den Lärm oder die Strassenverkehrsordnung angeht. Haaach.

* Nach dem Frühstück bin ich heute mit den Kindern auf unseren neuen Spielplatz gegangen. Und seit heute kann Liam „Spielplatz“ sagen. Er sagt irgendwas wie „Piii pachs“, aber man versteht es! So süß! Er guckt von unten zu mir herauf, legt den Kopf schief und fragt: „Piii pachs?“ Ich habe hundertmal gesagt: „Liam, sag‘ mal Spielplatz!“ – und als Papa da war, nochmal hundertmal. Anfangs war er schüchtern und flüsterte es fast, aber am Abend war auch er begeistert von seinem neuen Wort! Ausserdem sagt er „iiim?“, was heißt: „Film?“ Das äh.. ignoriere ich manchmal noch.

* Gestern haben wir mit einer Freundin geskypt – während sie in unserem Haus war. Das war so toll. Sehr besonders. Die Kinder waren aussergewöhnlich ruhig und sahen sich mit großen Augen den Garten, ihre Schaukel, ihre Betten, das Spielzeug an… Emilian hätte gern sein Laufrad gesehen, aber es war im Schuppen eingebaut. Die Jungs werden weder ihre Freunde noch ihr Zuhause vergessen und es wird eine Freude sein, sie in ihren ersten Momenten zuhause zu sehen. Sie haben keine Ahnung von wie-lange-schon und wie-lange noch. Es geht ihnen gut hier. Aber zuhause.. wird es irgendwie wieder richtig sein.

* Eine unglaubliche Hilfe gegen Heimweh auch für mich ist ein sprechendes Fotoalbum. Die Jungs bekamen es im März zum Geburtstag, da war es natürlich ein Highlight, aber ich habe es schnell versteckt. Ein paar Tage nach unserer Ankunft hier habe ich es ihnen gegeben und seit dem ist es ihr Lieblings. Im Album sind Fotos von allen engen Familienmitgliedern und wenn eine Seite aufgeschlagen wird, ist ein kurzes Statement der entsprechenden Person zu hören. Die Cousine sagt zum Beispiel: „Hallo Emilian, Hallo Liam, wir vermissen euch.“ Der eine Onkel sagt: „Brüllt mal ganz laut! Dann hören wir euch bis nach Deutschland!“ (Sie versuchen es regelmäßig. Ihr hört das doch, oder?) Der andere Onkel sagt: „Schreibt uns doch mal eine Postkarte!“ (Haben wir gemacht!) Die lieben und witzigen Worte und besonders die vertrauten Stimmen tun uns sehr gut. Ich wollte euch das Buch zum Verschenken oder selbst haben wärmstens empfehlen, aber in allen Versandhäusern ist es vergriffen oder nicht mehr lieferbar. Es gibt bestimmt andere dieser Art. Nicht nur für Abschiede finde ich dieses Buch eine tolle Idee. Emilian hatte als kleiner Mann auch ein Fotoalbum – einfach so ohne Ton – damit er lernt, wer zu uns gehört.

* In Berlin haben die Sommerferien begonnen. Die ersten Freunde verreisen. Für mich ist das komisch. Hier ist irgendwie immer Sommer, oder Frühling. Keine Ahnung. Ich glaube, den letzten nassen grauen Tag haben wir am 28. Mai erlebt – als wir in Berlin zum Flughafen gefahren sind. Sommerpause ist hier allerdings auch, das merken wir. Morgen abend werden wir mal ein richtiges Fussballspiel (nicht immer nur im Fernsehen) in einem Stadion sehen. Ich habe keine Ahnung, was uns erwartet.

Ein schönes Wochenende nach Deutschland!

(Wer von mir zu jedem neuen Blog-Eintrag eine Email bekommen möchte, der schreibe mir doch bitte seine Emailadresse an marit@mamasbusiness.de – Herzlichen Dank!)

 

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