mamasbusiness

papa. mama. drei jungs. haus und garten. berlin.

Das Schöne sehen

Ich habe sie fast hinter mir – eine dieser Wochen, ihr wisst schon. Die Kälte kam zu schnell, kann man sagen. Oder einmal im Jahr ist normal, kann man sagen.

Beide Kinder sind krank und der Mann ausser Haus – wie das dann immer so ist. Die Kinder husten schlimm, zwar fast ohne zu brechen, aber schön ist es auch nicht. Sie sind zu krank, um in die Kita zu gehen und zu gesund, um im Bett zu liegen. Und aus dem bei-Krankheit-nur-schlafen-Alter sind sie raus. Weil sie früh aufwachen, nachts schlecht schlafen und keinen Mittagsschlaf machen, habe ich fast keine Minute Ruhe…

Was aber war schön in den letzten Tagen?

– mal wieder ausschlafen können

– Augenarzt sagt: keine Brillen für die Jungs
(und das bei fast 100% Verwandtschaft mit Brille)

– Kaffee all day long

– Freunde, die mit Essen vorbeikommen

– Freunde, die mir die Kinder abnehmen

– baden in der Badewanne

– Zahnarzt sagt: beide Jungs haben tolle Zähne

– der erste Bücherei-Besuch nach Kalifornien

– neue Bücher lesen, neue Filme ansehen

– zu dritt „draussen“ beim Bäcker frühstücken

– ein Auto vor der Tür haben

– Quarkbällchen von Mama

– überraschend Blumen geschenkt bekommen

– gemütliche Regen-Stimmung mit Musik und Tee

– spontane Urlaubsplanungen

– Laub harken mit den Kindern

– mal wieder mehr Zeit zusammen haben

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Refugees Welcome

Gestern bin ich zum zweiten Mal zu einem Ort, an dem Flüchtlinge untergebracht sind, gefahren. Zu beiden Adressen dauerte die Fahrt mit dem Auto etwa 12 Minuten – und das waren nichtmal die Heime, die unserem Haus am nächsten liegen.

Mit Freundinnen, die regelmäßig zum Frühstück kommen, habe ich die Spendenaufrufe unseres Bezirks verfolgt und zusammen haben wir gesammelt. Tiefe Teller, Schnellhefter, Turnschuhe für Männer.
Hygieneartikel werden benötigt. Zahnbürsten, Damenbinde, Shampoo, Feuchttücher, Seife. Wir alle wissen, wie wichtig solche Kleinigkeiten für uns sind.

 

Shampoo
Ich habe zwei Duschbäder von Avon aussortiert und festgestellt, dass die Beschriftung auch in arabisch auf der Flasche steht. Zeug von Avon zu spenden, wäre also eine gute Idee!

Durch die präzisen und aktuellen Angaben auf der Website können wir wissen, dass unsere Spenden gebraucht werden. Gestern zum Beispiel wurde ein Spendenstopp gepostet, denn die Lager sind voll.
Nur noch AB Fahrscheine werden benötigt. Und Babytragen oder Tragetücher. Dringend.

Die erste Adresse führte mich zu einem Lager neben einem Heim für minderjährige Flüchtlinge. Es sah aus, als würde dieses Lager auch sowas wie ein Trödelmarkt sein, denn dort standen zum Beispiel viele Möbel oder auch Gemälde mit Preisschildern.

Die Einfahrt zur Spenden-Annahme ist gut ausgeschildert und ich hätte direkt hinter dem Zaun stehen bleiben und klingeln können.
Weil ich das nicht wusste, fuhr ich etwas weiter auf den Hof.
Zwei Mitarbeiter zeigten mir den Weg und ein kleiner freundlicher Mann mit russischem Akzent führte mich zu seinem Chef, nachdem er mein Anliegen gehört hatte.
Ich hatte im Internet gelesen, dass die Spenden eventuell vor dem Abgeben begutachtet werden sollen – und so erklärte ich, was ich abgeben könnte.
„Zuerst einmal vielen Dank für Ihr Spendenangebot“, sagte der „Chef“ zu mir. Er wollte wissen, wie ich von dem Spendenaufruf gehört hatte. Die Zeitangaben auf der Website waren nämlich falsch und scheinbar nur durch Zufall hatte ich ihn dort angetroffen.

Von Weitem schon sah er die Regale, die ich im Kofferraum hatte – und er wollte sie. Die Kisten mit den Tellern nahmen die Mitarbeiter auch mit und mit Handschlag bedankte sich der Chef noch einmal bei mir. Im Nachbargarten sah ich ein paar Jugendliche sitzen – aber wirklich nur in der Ferne.

Inzwischen hatte das Containerdorf in unserer Nachbarschaft geöffnet, wir waren beim „Tag der offenen Tür“ gewesen und die Verantwortlichen waren und sind noch immer überwältigt von dem Hilfsangebot der Nachbarn aus Steglitz/Zehlendorf.
Ende August sind die ersten Bewohner eingezogen, aber sie werden in Ruhe gelassen und sollen sich langsam an ihre Bleibe gewöhnen können.
In dieses besondere Containerdorf für kranke, schwer traumatisierte oder behinderte Flüchtlinge ziehen Menschen, die schon länger in Berlin leben. Sie sind also sowohl mit der Sprache, als auch mit unserer Berliner Luft schon ein wenig vertraut.
Heute Abend findet ein Treffen für alle freiwilligen Helfer statt und dann werden wir erfahren, wo und wann unsere Hilfe gebraucht wird.

Mit Liam bin ich gestern Nachmittag also zu einem weiteren Containerdorf gefahren.
Zwei Freundinnen hatten Hygieneartikel gepackt und ich habe eine Tüte Spielzeug aussortiert.
Ich kann euch sagen: Eine Kiste mit altem Spielzeug zu packen und sie monatelang in die Abstellkammer zu stellen ist eine Sache. Aber diese Kiste dann für immer ab- und wegzugeben ist eine ganz andere.
Bei jedem Spielzeug, das letztendlich in der Tüte landete und das meine Jungs seit 2 Jahren kaum eines Blickes gewürdigt hatten, kannte ich die dazugehörige Geschichte.
Das hier hat Liam zur Geburt von … bekommen. Und das haben sie von … bekommen und wir haben damit immer … gespielt. Und das hier, ach das war damals ganz wichtig, um … .
Am Ende hätten die Kinder noch viel mehr gegeben, aber ich habe sie erstmal ein bisschen gebremst. Nostalgik und so. Die nächste Tüte kommt bestimmt.

volle Tüten

Wir fanden das Containerdorf schnell, obwohl die Hausnummer dem Navi natürlich noch nicht bekannt war. Die weiß-bunten Container leuchteten in der Sonne, viele Kinder spielten in der Einfahrt, ein buntes Willkommen-Schild hing am Zaun.

Containerdorf
Der Pförtner war gerade damit beschäftigt, einer anderen Spenderin und einer Bewohnerin aus Bosnien beim Sortieren und Übersetzen zu helfen.
Er sah meine Tüten, freute sich über das Spielzeug, nahm sie mir ab und bedankte sich. Das war’s.

An beiden Tagen konnte ich die Dankbarkeit spüren, die mir entgegengebracht wurde. Ich weiß natürlich nicht, wer genau unsere Spenden bekommt. Aber es fühlt sich gut an, ein Teil von etwas Größerem zu sein. Es tut nicht weh und es ist das mindeste, was ich tun kann.

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Dankbarkeit

Wer mich besser kennt, der weiß, dass DANKBARKEIT bei mir gerade groß geschrieben wird. haha

Mich beschäftigt dieses Wort und alles, was dazu gehört, aber wirklich schon länger.. und wirklich immer wieder fällt es mir vor die Füße!
Und vor ein paar Tagen las ich dann auch noch, dass im Herbst 2015 das „Jahr der Dankbarkeit“ beginnt. Ein paar bekannte christliche Vereine stecken dahinter und die Homepage ist schon voller Informationen und Projekten, obwohl es noch 284 Tage sind…
Ich sehe um mich herum, dass auch andere Menschen von diesem Thema nicht mehr losgelassen werden. Dass dankbar-sein verändert. Dass es das Leben verlangsamt, dass Menschen wieder lächeln und Hoffnung haben. Dankbarkeit ist der Schlüssel. Wahrscheinlich werdet ihr das in Zukunft also öfter von mir hören.

 

Wie auch immer:
Ich habe wirklich allen Grund, dankbar zu sein! So sehr.
Um mal kurz auf mein abenteuerliches Jahr zurückzublicken: Es gab Tage, an denen ich nervös, unsicher, gestresst, überfordert war – an denen ich zwei kranke Kinder hatte, ein Haus in 7 Koffer packen musste (ungefähr), mich verabschieden musste, in einem anderen Kontinent ankommen musste…
ABER: Es gab keine „schweren Zeiten“ oder keine stressigen Wochen. Jeder Tag hatte wunderbar kostbare Augenblicke und ich kann dieses Jahr 2014 völlig dankbar und beeindruckt aus Gottes Hand nehmen!

Ich bin dankbar:

– dass Gott mich kennt und mein Herz berührt
– für eine gesunde Familie
– für meine Söhne, die Emotionen aus mir herausholen, die ich vorher nicht kannte
– für Eltern und Geschwister, die alles für uns geben würden
– für Freunde, die da sind, wenn ich sie brauche (auch, wenn ich ein paar Kilometer weit weg bin)
– für Freundschaften, die das aushalten
– für so unglaublich viel Sonne und Wärme
– für Natur, Pflanzen und Tiere, die ich in Europa nie wieder sehen werde
– für einen Empfang und ein Entgegenkommen in Kalifornien, das nicht herzlicher sein könnte
– für tolle Menschen aus alle Welt, die uns jetzt kennen und gern haben
– für wichtige Kontakte, die anders niemals entstanden wären
– für Träume und Pläne, die mein Mann und ich teilen
– für Geschehnisse, die immer wieder zeigen, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind
– …

Ich glaube, ich könnte ewig so weitermachen.
Und auch, wenn ich meinen „Dankbarkeits-Adventskalender“ auf meiner Facebook-Seite leider an manchen Tage vergessen habe, ist das doch ein gutes Zeichen, die Liste, der „1000 Kostbarkeiten“ anzufangen, oder? Ich habe hier drüber geschrieben. Das ist mein Vorsatz fürs neue Jahr!!

 

In einem anderen Blog habe ich mal wieder etwas gefunden.
Eine Idee, die ich mir selbst auch schon notiert hatte.

Hier ist sie für euch:

Eine ähnliche und doch ein bisschen andere Form des Erinnern und Dankbarseins kann das Füllen eines alten Bonbonglases sein. Gemeinsam mit dem Liebsten, der besten Freundin, der Familie. Auf kleine Zettelchen geschriebene Momente der Dankbarkeit, Rechnungen, die vom Besuch im Café oder Restaurant erzählen, Kinokarten, Konzerttickets – alles Bruchstücke der kostbaren Momente, die erstmal im Bonbonglas auf der Kommode verschwinden.

Und dann, an Silvester oder am Neujahrsmorgen gemeinsam das Glas öffnen, die kleinen Zettel auseinander falten und sich erinnern. Da wird geschmunzelt, da sind fragende Gesichter – was war das nochmal? Das war für dich so wichtig, dass du es aufgeschrieben hast? –  da entsteht der Wunsch, mal wieder gemeinsam Zimtschnecken zu backen. Bei uns ist dieses Ritual noch sehr jung, dieses Jahr an Silvester wird das Glas erst zum zweiten Mal geöffnet. Aber ich für meinen Teil hoffe, dass es nicht das letzte Mal war. Denn es ist eine so kostbare Art und Weise das alte Jahr abzuschließen und voller Vorfreude ins neue zu starten.

Vielleicht konnten wir euch mit unserem Beitrag Anregungen liefern Dankbarkeitsrituale zu einem Teil eures Alltags zu machen. Wir haben hier noch ein paar Impulse zur Reflexion gesammelt:

  • Menschen, die mich glücklich machen
  • Diese Woche habe ich gelernt…
  • Das habe ich mir gegönnt
  • Das inspiriert mich
  • Menschen, die mir helfen
  • Es kitzelt im Bauch, wenn…
  • Darauf bin ich stolz
  • Der beste Augenblick der Woche
  • Das schönste Erlebnis der Woche
  • Bücher, die mich inspirieren
  • Bücher, die mich rühren
  • Das habe ich heute genossen
  • Darüber hab ich heute gelacht
  • Menschen, die mich zum Lachen bringen
  • Mein Lieblingswetter
  • Das kann ich wirklich gut
  • Das habe ich geschafft
  • Dieser Augenblick war einfach schön
  • Jemand hat an mich gedacht
  • Das tröstet mich
  • Es ermutigt mich, wenn …
  • Glück bedeutet für mich
  • Ich tue mir etwas Gutes, indem ich …
  • Ich hatte eine Auszeit als
  • Darin gehe ich auf

Was sagt ihr dazu?

Toll, oder?
Das passt auch gut zu meinem Blogeintrag über das Familien-Abendessen!

Ich werde das machen. Im Januar (oder im April, wegen des Umzugs) werde ich mir ein leeres Einweck-Glas in die Küche stellen und es das Jahr über mit Zettelchen füllen. Ich freu mich schon! Wer macht mit?

 

Ich bin dankbar, dass ihr meine Einträge lest!
Ich bin dankbar, dass ihr Interesse an unserem Leben habt
!

Von ganzen Herzen wünsche ich euch ein Weihnachten voller Friede, Freude und Plätzchen!
Genießt den Duft, seht euch die strahlenden Augen an und spürt die Dankbarkeit!

Merry Christmas!
Fröhliche Weihnachten!

Merry Christmas

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Happy Thanksgiving!

„Have a Happy Thanksgiving“ – das ist es, was wir jetzt hier immer wieder, an der Kasse, bei Freunden, in der Kirche, hören.

Dieser Feiertag war uns bis jetzt fremd. Ich wusste schon, dass es irgendwas mit Dankbarkeit und mit Truthähnen zu tun hat – aber das war’s. Aus Deutschland kennen wir das „Erntedenkfest“ auch irgendwie nur noch aus der Landeskirche, oder?

Dabei ist das so ein wichtiger Feiertag!

Ich mag es sehr, wie es um Thanksgiving herum in Amerika abgeht. Viele Häuser und Einkaufszentren sind schon sehr, sehr weihnachtlich geschmückt, aber irgendwie läuft alles noch mit angezogener Handbremse. ERST kommt Thanksgiving! Zu Thanksgiving wird dezent orange/grün/braun geschmückt, die Kinder basteln mal einen Turkey oder malen Früchte aus. Thanksgiving ist ein ruhiges Familienfest. Es geht alles um die Familie. Meist trifft man sich in einem Haus und ist dann lange mit vielen Menschen zusammen. Dieses „ich-halte-meine-Familie-aus“ und „wenn-erst-alle-wieder-weg-sind“-Gefühl spielt auch eine nicht kleine Rolle… Der Freitag nach Thanksgiving ist frei und meist die darauffolgende Woche auch.
Es geht ums Essen! Das ist soooo wichtig. Jeder hier weiß, welche Gerichte zu Thanksgiving gehören: ein gebratener und gefüllter Truthahn mit vielen Beilagen wie Cranberry Sauce, (Süß)Kartoffelbrei, Bohnen, Erbsen und der Pumpkin-Pie!
Neben der Familie und dem Essen geht es tatsächlich auch um die Dankbarkeit – nicht nur in der Kirche!

Ich bin nicht als Bauerntochter oder mit dem Ernte-Kreislauf aufgewachsen und habe also diese Abhängigkeit und tiefe Dankbarkeit am Ende des Herbstes nie bewusst wahrgenommen. Aber ich finde es mehr als wunderbar, sich (mindestens) einmal im Jahr zusammen hinzusetzen und als Familie diese Dankbarkeit zu feiern! Das ist doch das Schönste!!

Es gibt hier Familien, die an Thanksgiving auf einer Papiertischdecke essen und während des Essens schreiben oder malen, wofür sie dankbar sind. Und diese Tischdecke kommt dann in jedem Jahr an Thanksgiving wieder! Nach ein paar Jahren sieht man zwar einige Essens-Flecken, aber auch die gesammelte Dankbarkeit von Eltern und Kindern aus mehreren Jahren! Ist das nicht eine tolle Idee?

Es gibt Familien, die zusammen basteln und mit Bildern oder Fotos darüber reden, wofür sie dankbar sind.

Es gibt Familien, die vor dem Essen am Tisch der Reihe nach sagen, für welche Personen sie dankabr sind – und warum.

Es gibt Familien, die ihre Dankbarkeit besonders zum Ausdruck bringen möchten und dann gemeinsam mit Waisenkindern/Obdachlosen/Hilfsbedürftigen Menschen Thanksgiving feiern.

 

Ich habe das Gefühl, trotz Familientrubel ist Thanksgiving viel mehr, als nur ein stressiger Feiertag.
(Der Stress um Weihnachten fängt genau am Freitag danach an. Da wird nämlich mit riesigen Sale-Angeboten die Weihnachts-Shopping-Saison eröffnet…)

 

Wir werden ein großes Essen mit Spiel + Spaß in der Gemeinde haben.
Mein Mann würde gern einen Truthahn zubereiten… ich hab da eher Respekt.
Was Familie angeht, können wir leider auch nicht sehr thanksgivisch sein…
Aber  bei der Sache mit der Dankbarkeit möchte ich gern mitmachen.

Abgesehen davon, dass ich dankbar für meine ganze große Familie und meine drei Männer bin, dafür, dass es uns gut geht und wir gesund sind, gibt es noch sooo viel mehr in meinem Leben, das mich dankbar macht.

– jeder einzelne Sonnenuntergang

– neue Freunde, die uns gern haben

– alte Freunde, die uns nicht vergessen

– Sonne

– Kaffee

– zusammen lachen

– …

Gott hat uns in diesen Monaten hier mehr beschenkt und überrascht, als je zuvor und als wir uns das überhaupt hätten vorstellen können – dabei war das ein mutiger Schritt in eine ungewisse Zukunft, den wir gegangen sind!

 Thankful

Es gibt ein Buch über Dankbarkeit im weiten und großen Sinn.
Ich lese es gerade und es verändert mich.
Für euch oder als Weihnachtsgeschenk kann ich es wirklich empfehlen!

Ann Voskamp – Tausend Geschenke

 

Und ausserdem möchte ich mich und dich zu einer Dankabrkeits-Challenge herausfordern!

Lasst uns in diesem Jahr einen besonderen Adventskalender erstellen!

Ich werde auf meiner Facebook-Seite mamasbusiness an jedem Tag vom 1. bis zum 24. Dezember drei Dinge aufschreiben, für die ich dankbar bin.

Ist doch einfach, oder?
Machst du mit?
Like schnell meine Facebook-Seite und schreib‘ mir als Nachricht oder Kommentar, wofür du dankbar bist. Ich freu mich darauf!

Have a Happy Thanksgiving!!

 

Sonnenuntergang

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Der schönste Abend in Amerika

Unsere Gäste waren von Freitag bis Samstag in Arizona unterwegs. Am Samstag morgen haben wir auf zwei Töchter meiner Freundin aufgepasst, wir haben zuhause Mittag gegessen und gechillt. Mein Mann hatte während des Samstags-Gottesdienstes einen Job und am Abend hatten wir eine Verabredung. Es hieß nur: „Elisabeth hat uns zum Essen eingeladen.“ Okay..

Wir fuhren also in die Kirche und während mein Mann arbeitete, verbrachte ich viel Zeit mit den Kindern auf dem Spielplatz. Wir waren heute auch im zweiten Sonntags-Gottesdienst und ich finde, ein Kindergottesdienst am Wochenende reicht.

Die Kinder lieben dieses Spielplatz! Sie kletterten, tobten und waren 2 Stunden gut beschäftigt. Auf dem Weg zum Auto mussten wir natürlich noch am Bach Halt machen. Ohne Schuhe stiegen sie hinein und warfen kleine Steine ins Wasser. Ich sah einem Hochzeitsfotografen zu, der neben uns am Wasser ein frisch getrautes Paar fotografierte.

Mein Mann kam und wir zogen den Kindern die Schuhe an. Liam hatte sich scheinbar kurz ins Wasser gesetzt, denn seine Hose + Unterhose waren tropfend nass..

Auf dem Weg zu Elisabeth, die in Laguna Beach wohnt, fragten wir uns, warum sie uns eigentlich heute eingeladen hatte. Elisabeth ist eine Karriere-/Single-Lady. Sie spricht mehrere Sprachen (auch deutsch), weil ihre Eltern Missionare in Europa waren. Mit einem Team von Mariners Church besuchte sie unsere Gemeinde in Berlin im Februar, dort lernten wir sie kennen. Sie berät Firmen und ist viel in der Welt unterwegs.

Trotzdem, oder gerade wegen dieser Fakten: Warum möchte sie uns einladen?

Wir riefen sie an, um kurz Bescheid zu sagen, dass wir auf dem Weg seien. Eigentlich wollten wir mit ihr zusammen fahren und in dieser großen Kirche muss man sich dann schonmal telefonisch absprechen. Aber Elisabeth war schon zuhause, denn andere Gäste waren bereits da. Andere Gäste???

Ich war froh, ein etwas schickeres Outfit gewählt zu haben. Außerdem hatte ich ein bisschen mehr Make up als sonst aufgelegt. Was wird das für ein Abend???

In Laguna Beach gefällt es mir! Der Strand ist so wunderschön, die kleinen Läden und Straßen erinnern an einen Touristenort an der Ostsee, die schrägen Strassen und Berge erinnern eher an Südeuropa. In diesen Monaten findet das „Festival of Arts“ in Laguna Beach statt. Es war Samstag Abend und die ganze Stadt war auf den Beinen.

Elisabeth kam uns entgegen, um einen Parkplatz zu zeigen. In einem süßen kleinen schwarzen Kleid und in tollen Schuhen stand sie da und wies uns ein. Die Straßen sind ziemlich steil, denn sie wohnt sozusagen an einem Hang am Meer.

Wir folgten ihr ein paar Treppen nach oben. (Liam noch immer ohne Hosen) Beide Kinder waren fit und gut drauf. Emilian hatte im Auto in Endlos-Schleife „Elisabeth, wo bist du?“ gesungen… Der Spielplatz hatte ihnen gut getan. Außerdem begrüßte Elisabeth sie in deutsch!

Gleich über einer Terrasse befand sich ihre Wohnung. Wir wurden zwei Freunden und ihren Eltern vorgestellt. Es gab kleine Snacks und schon nach kurzer Zeit hatte ich ein Glas Rotwein in der Hand. Es wurde langsam dunkler und wir fühlten uns sehr wohl auf dieser kleinen Party. Ich saß auf der Couch im Wohnzimmer und redete mit einer Freundin von Elisabeth. Die Kinder wuselten um uns herum, Emilian stellte sich vor einen kleinen Ventilator und drehte seinen Kopf synchron mit. Ich fürchtete um den Glastisch, den großen Spiegel an der Wand und die Deko. Ähnlich unserem Apartment war das eine kleine süße Wohnung, in der eindeutig keine Kinder lebten.

Elisabeth war so entspannt. Sie tobte mit Emilian und er durfte in ihr Schlafzimmer, auf ihr Bett klettern, um sich Kuscheltiere von dort zu holen. Sie hatte viele große Tiere und schon bald war das Wohnzimmer voll mit Tigern, Bären und Giraffen. Mehrmals musste ich mein Glas Wein und den Smoothie der Kinder vor einer fliegenden Giraffe beschützen…. als Mutter bin ich in solchen Situationen stets sehr angespannt. Aber meine Gesprächspartnerin war herzlich und sehr entzückt von den Kindern.

Entweder lag es daran, dass Elisabeth deutsch sprach… oder an den Tieren… oder an der Zeit auf dem Spielplatz: Meine Jungs waren gut drauf. Kleine Jungs in einer engen Wohnung eben, aber gut drauf. Als Emilian den schwarzen Ledersessel für sich einnahm, einen Kopfstand machte und die nackten Fußsohlen an den Spiegel klatschte, lachte Elisabeth und kitzelte ihn ab. Als sie uns Cashew-Kerne in einer süßen Kokosschicht hinstellte und die Kinder sich darauf stürzten, fanden die anderen das süß. Meine Kinder sind nicht so ganz Stehparty-tauglich und meine Nerven waren angespannt. Aber es war scheinbar wirklich kein Problem.

„Ich möchte euch das Deck zeigen!“, sagte Elisabeth dann und wir folgten ihr – mit unseren Weingläsern – eine ganze Menge Stufen nach oben, vorbei an mehreren Wohnungen.

Und dann standen wir plötzlich oben über der Stadt. Hinter uns die Berge, unter uns das Samstag-Nacht-Leben und vor uns das Meer. Die Sonne ging unter und färbte den Himmel pink und lila. Die Palmen zeichneten sich schwarz ab. Ein Traum. Es regnete ganz leicht und über uns war ein Regenbogen zu sehen, der genau vom Meer bis zum Berg verlief.

Wenn irgendwas die typisch amerikanischen Worte: „This is amazing!“ verdient hatte, dann das! Ich stand dort oben, das Glas mit dem Rotwein in der Hand und war sprachlos. Das war wie im Film!

Nach einer Weile stiegen wir die Treppen wieder nach unten und Elisabeth kündigte das Essen an. Wir stellten uns in einen Kreis, fassten uns an den Händen an und beteten. Trotz des leichten Regens setzten wir uns an den Tisch auf die Terrasse. Es war wirklich ein Nieseln und natürlich war es trotzdem warm. Für uns irgendwie nichts Besonderes, im Sommer draußen im Regen zu essen. Aber die Amerikaner waren ganz aus dem Häuschen. Es regnet nämlich nie in Kalifornien. (Selbst bei unseren Freunden in Arizona hatte es geregnet. Das kommt da nur alle zwei Jahre vor…)

Das Essen war ein Traum! Ein französischer Salat mit Feta-Käse, Rosinen, Blattsalat und Erdbeeren. Leider war es dunkel und ich konnte nur schmecken. Dazu Tomate-Mozarella. Tortilla-Chips. Hähnchen mit getrockneten Tomaten.
Kein Burger. Keine Pommes. Kein Ketchup. Wir hatten hier bestimmt noch nicht so gut gegessen.

Für die Kinder war nicht das Richtige dabei und mein großer Sohn (den ich nicht wiedererkannte) lief in die Küche zu Elisabeth und fragte, ob er Pizza haben könnte. – Äh… Hallo? – Aber die perfekte Gastgeberin hatte von einer anderen Party am Vortag Pizza übrig und wärmte zwei Stücke für uns auf.

Es war inzwischen ganz dunkel draußen, die Kinder knabberten ihre Chips im Wohnzimmer und ich setzte mich zu ihnen, nachdem ich fertig gegessen hatte. Die Eltern von Elisabeth waren die meiste Zeit mit Vor- und Nachbereitungen in der Küche beschäftigt. Alle anderen saßen noch auf der Terrasse. Als die Kinder fertig mit dem Essen waren, ließ ich sie ein paar Spiele auf meinem iPhone spielen.

Der Vater von Elisabeth holte dann eine große Schüssel in die Küche, in der eine Melone in Eiswürfeln lag. Er begann, sie zu zerschneiden. Die ersten Stücke bekamen wir. Wie ein Großer aß Emilian sein Melonenstück. Er tropfte weder auf den Glastisch, noch auf die schwarze Ledercouch.

Elisabeth ging in die Küche und fragte uns, ob wir gern Schokoladenkuchen und Eis haben wollten. Liam legte das iPhone weg und beide Kinder bekamen einen Teller mit einem Stück Kuchen und einer Kugel Vanilleeis. Das Eis war schnell weg – sowohl gegessen als auch geschmolzen.

Der Kuchen war heftig. Das war nicht mehr einfach nur ein süßer amerikanischer Schokoladenkuchen… Keine Frage, dass weder Emilian noch Liam seinen Kuchen aufessen konnte. Ich kostete ein bisschen und zerschnitt mehr Melone für die Jungs.

Liam verschwand nach draußen zu Papa, Emilian schnappte sich das iPhone und die Mama von Elisabeth setzte sich zu mir auf die Couch. Sie erzählte von ihren Kindern und Enkeln, von einer adoptierten Enkeltochter aus China, von Büchern, die sie darüber gelesen hat und wie stolz sie auf ihre Kinder sei. Emilian spielte erst ein paar Tierspiele auf dem iPhone, aber dann begann er, ein englisches Spiel über die Geschichten aus der Bibel zu spielen. Ich mag seine Art, zurückhaltend, aber deutlich Kontakt zu den Menschen hier aufzunehmen. Wenn er nicht reden kann oder möchte, dann bezieht er sein Gegenüber trotzdem dezent mit ein.

Elisabeth kam noch einmal, um Espresso und Cappuccino anzubieten. Aaaaah. Mein erster perfekter, perfekter Cappuccino mit perfekten Milchschaum! Mein Mann bekam einen ebenso perfekten Espresso. Der Abend wurde immer besser.

Inzwischen saßen mein Mann und Liam wieder bei uns in Wohnzimmer. Emilian spielte mit den Kuscheltieren und mein Mann redete mit Elisabeths Vater. Er war, genau wie seine Frau, eine sehr freundliche, liebenswerte und höfliche Person mit einer guten Portion Humor.

Während ich redete und mein Getränk genoss, fiel mir auf, dass der Vater sich einen Block geholt hatte. Vielleicht wollte er lesen oder schreiben… Aber dann sah ich, dass er einen Bleistift nahm und zu kritzeln anfing. Emilian sass zwischen zwei großen Tieren auf dem Sessel – und der Mann begann, das zu zeichnen. Noch nie hatte jemand mein Kind gezeichnet! Als wir begriffen, was geschah, erzählten wir Emilian begeistert davon und stolz blieb er auf der Stelle sitzen, ohne sich zu rühren. Wir sahen, wie verkrampft er eigentlich saß und erlaubten ihm amüsiert, sich bequem hinzusetzen. Er lächelte süß und blieb sitzen, bis der Künstler fertig war. Für Emilian war es eine ziemlich lange Zeit – aber dass in dieser Zeit ein Bild entstand, fand ich erstaunlich.

Kunst

Ich stand zwischendurch einmal auf, um einen Blick auf das Gemälde zu werden und … war kurz verwirrt. „Naja, ist halt Kunst“, dachte ich und hoffte, dass Emilian nicht enttäuscht sein würde. Aber am Ende war ich umso überraschter von der Ähnlichkeit und dem Ausdruck dieses Bildes!

Emilian durfte aufstehen und lächelte glücklich das Gemälde an. Wenn es eingesprüht ist, dürfen wir es mitnehmen. Und es wird einen Ehrenplatz bekommen!

Emilian

Elisabeth setzte sich zu uns und wir redeten ein bisschen über unsere Zeit hier in Amerika. Und dann sagte sie: „Ich bin am Wochenende mit meinen Eltern unterwegs, von Freitag bis Montag. Ihr könnt hier wohnen! Hier ist mein Schlafzimmer und da ist noch ein Zimmer mit zwei Betten. Ihr könnt an den Strand laufen, ihr könnt viele Läden zu Fuß erreichen…“

Wir wissen noch immer nicht, warum genau wir mit ihren Freunden und Eltern an dem Abend eingeladen waren. Ich bin absolut begeistert von ihrer Gastfreundschaft, von dem guten Essen, von den guten Gesprächen, (von meinem Englisch) und von dem guten Benehmen meiner Kinder. Immerhin war es nach 22:00 Uhr, als wir uns verabschiedeten. Wir wurden so sehr für das gute Verhalten unserer Kinder gelobt. Und überhaupt, was für süße Kinder ihr habt!

Elisabeth verabschiedete sich mit Wangenküsschen von uns (Hallo Europa!) und wie im Rausch stieg ich die Treppen zum Auto herunter. Ich fuhr durch ein Lichtermeer am Fuß des Berges entlang nachhause und war einfach nur glücklich und dankbar über diesen unerwarteten, schönen Abend! Wir werden gerne in Elisabeths Wohnung ziehen und auf dem Deck, über dem Pazifik, werden wir mit unseren Freunden Abschied feiern, bevor sie weiter nach New York fliegen.

Laguna Beach

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