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papa. mama. drei jungs. haus und garten. berlin.

Keine 12 von 12 im Juni

Mein Handy hat mich an die 12 Fotos erinnert, wie immer. Mir war auch irgendwie sehr bewusst, dass gestern der 12. war. Nur leider ist nicht mehr draus geworden.

Ich bin am Samstag spontan einen Tag früher aus Heidelberg zurück gekommen, weil ich einen Fahrer gefunden habe, der sich auch spontan am Samstag Abend entschieden hat, nach Berlin zu fahren. Das Wochenende war voll und toll, aber als die Veranstaltung am Samstag gegen 16:00 Uhr zuende war, wollte ich einfach nicht mehr 26 Stunden warten, um in der Nacht von Sonntag zu Montag nachhause zu kommen.

Sehr spontan und sehr mutig und vielleicht auch ein bisschen verrückt stieg ich also in Heidelberg als einzige Mitfahrerin zu einem jungen Mann aus Afrika ins Auto..
Was soll ich sagen? Er brachte mich sehr schnell und sehr sicher nach Berlin. Die Hinfahrt dauerte nämlich 7 Stunden, ich saß auf der Rückbank und litt still vor mich hin unter Reiseübelkeit… Für den Rückweg brauchten wir nun also 5 Stunden und ich konnten den Sonntag mit meiner Familie genießen.

Unser Tag war nämlich so schön ruhig und gammelig. Wir waren zusammen im Gottesdienst und dann haben wir tatsächlich alle Fußballspiele gesehen. Der Mann war mit den Kindern kurz draußen, ich lag auf der Couch – eindeutig nichts für 12 Fotos.

Ich hätte einfach noch Bilder vom Deutschland-Spiel machen können, denn da gab es ein paar tolle Szenen. Aber als ich am Abend mein Blog aufrufen wollte, passierten da scheinbar gerade Wartungsarbeiten… Wie gut, dass ich keine 12 Fotos mehr posten musste.

Übrigens:
Ich bin dankbar und überwältigt über eure Rückmeldungen auf meinen letzten Eintrag. Es gehörte ein bißchen Mut dazu – aber ich denke, was ich sagen wollte, ist angekommen. Vielen, vielen Dank!

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It’s all about happiness!

Ich habe nachgedacht.
Immer mal wieder, seit ich im Internet Geschichten aus unserem Alltag veröffentliche, bekomme ich Rückmeldungen, ich würde über eine heile Welt schreiben, in der es nur Friede, Freude, Eierkuchen gibt. (Sagen wir Pancakes. Dann stimmt es.)

Und ich merke, wie mich das einerseits stört, denn man will ja allen gefallen und so. Und natürlich ist unser Leben nicht nur Frieden und Freude. Echt!

Aber:
Ich konzentriere mich auf die guten und schönen Dinge im Leben, kleine oder große. Ich sehe sie, ich suche sie, ich jage ihnen nach!
So bin ich.
Schon vor 10 und mehr Jahren gehörten Worte wie Optimismus, Humor und Hoffnung fest zu meinem Leben – nicht erst jetzt, seit dem ich Mama bin.
Auch noch mit über 30 kann ich mich über Unkraut am Weg freuen, weil es rosa blüht. Auch noch mit zwei Kindern nehme ich mir Zeit und bleibe stehen, weil eine Schnecke über den Zaun kriecht. (Auch, wenn die Kinder nicht dabei sind…) Ich lache über alberne Witze und springe über eine Wiese, wenn mir einfach danach ist. In solchen Momenten fühle ich mich überhaupt nicht erwachsen und ich finde das gut.

Mein Alltag ist voll.
Voller, als ich es mir manchmal wünsche.
Es gibt Dinge, die einfach immer wieder erledigt werden müssen, jede Mama kennt das. Ich würde gern mehr lesen, mehr schreiben, mehr schlafen, öfter duschen.. Der Boden des Schlafzimmers ist voll von Kleiderstapeln, die einsortiert werden müssten. Die Kinderkleidung könnten aktualisiert und an Sommer angepasst werden. Der Wohnzimmerboden ist voller Krümel. Kinderzimmer aufräumen. Unkraut rupfen. Terrasse fegen. Glasflaschen wegbringen.
Vielleicht denkt ihr nicht, dass es auch bei uns so ist – ist es aber.
Ich sage aber: Egal!
Vielleicht ist es mir nicht wirklich egal, denn es nervt mich und manchmal schimpfe oder weine ich, weil ich nicht schaffe, was ich möchte.

Aber dieses EGAL ist wichtig für mich. Ich brauche es jetzt, denn diese Jahre mit Kleinkindern sind die vollen, wilden Jahre. Für Schlaf und Bücher werde ich später Zeit haben. Hoffentlich.

Mein Leben ist auch voller Menschen. Beziehungen. Freundschaften. Kontakte. So bin ich, dafür nehme ich mir Zeit und das genieße ich.
Seit ich angefangen habe, im Büro zu arbeiten, fehlt mir noch mehr Zeit. Ich merke diese 11 Wochenstunden. Aber es gibt tatsächlich wichtigeres, als Wäsche und saubere Fenster. Im Sommer jedenfalls.

Also treffe ich mich mit Freundinnen, gehe auf die Festwoche, koche Holunderblütengelee ein und frühstücke mit meinem Mann in der Sonne, weil es mir wichtig ist!

Es gibt genug Menschen und Mütter, die meckern und jammern. Das ist wichtig, denn wir sollten nicht jede Ungerechtigkeit und Schublade, in die wir gesteckt werden, hinnehmen. Wir sollten füreinander kämpfen und uns beschweren, wenn wir sehen, dass irgendwas nicht richtig läuft und wir daran etwas ändern können.
Und glaubt mir, es gibt Dinge, die mich nerven und aufregen. Oh ja! Aber ich bin nicht die, die sich aufregt und schimpft.
Ich schimpfe nicht über blöde Erzieher, laute Nachbarn, ungerechte Politiker, schlecht gelaunte Kassierer und doofe Kinderärzte. Es gibt sie überall, aber egal. Warum sollte ich hier darüber schreiben?

Und um ganz persönlich zu werden: Unser Leben ist nicht perfekt. Das verspreche ich euch.
Es gibt Schmerz und Fragen in meinem Leben.
Es gibt Zeiten, die wir so nicht geplant haben.
Es gibt Dinge, auf die wir verzichten müssen, obwohl wir sie gern hätten.

In den vergangenen Monaten haben wir von Arbeitslosengeld und anschließend von noch weniger gelebt, weil Entscheidungen lange gedauert, bzw. nicht ganz positiv ausgefallen sind.
Unser Auto hat uns in allen 5 Jahren viel Geld gekostet, weil wir es scheinbar einem Betrüger abgekauft haben.
In den letzten 7 Jahren habe ich zwei Kinder geboren und zwei Kinder verloren.
Wir hätten vor Schulstart gern einen richtigen Familienurlaub außerhalb der Ferien gemacht, hatten aber keinen Cent dafür übrig.

Das gehört zu unserem Leben dazu.
Aber ich halte nicht an der Vergangenheit fest.
Ich trauere und ärgere mich, dann stehe ich auf und gehe weiter.

Ich suche mir Dinge, um mein Glück und meine Zufriedenheit, meine Dankbarkeit und mein Lächeln zu behalten.

Ich bin sehr glücklich mit einem wunderbaren Mann verheiratet, wir haben zwei gesunde Söhne und wir wohnen in einem Haus mit Garten. Wir können mit einem eigenen Auto fahren und wir haben unzählige Familienmitglieder und Freunde innerhalb Berlin und Umland. Wir sind gesund, wir haben genug Essen und Trinken und wir haben Zeit füreinander. Darüber schreibe ich, denn das ist unser Leben.

Wir leben in der Gewissheit, dass es einen Gott gibt, der uns führt und unser Leben hält. So kann ich Enttäuschungen leichter annehmen und die guten Geschenke des Lebens entdecken.
Wer gibt, der bekommt – daran glauben wir.

Als ich eine Freundin vor kurzem gefragt habe, wie es ihr so geht, schrieb sie: „Manchmal gehetzt, weil ich viel tun will. Aber auch gelassen, um die Zeit mit wichtigen Dingen zu nutzen. Manchmal aufgewühlt, wegen unserer Zukunft.

Und genau so ist es.
In meinem Leben gibt es Hüftspeck und Pickel, Staub und Ameisen in der Küche, ungehorsame Kinder und genervte Eltern, Tränen und Zukunftssorgen.

Aber ich habe mich entschieden, die Sonne, den leckeren Kaffee, den Platz auf der Terrasse und die wunderschönen Blüten, die Freude und das Gute zu sehen.

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Dankbarkeit üben

Vor einem Jahr lebten wir in Amerika. Und in Amerika wird „Thanksgiving“ sehr groß gefeiert. Vergleichbar mit unserem Erntedank-Fest geht es in Amerika eher um ein großes Essen mit der ganzen Familie. Und gerade vor der wuseligen Weihnachtszeit steht die Dankbarkeit im Mittelpunkt.

Dankbar sein, für das, was wir haben, dass wir uns haben, dass es uns gut geht.

Ich erinnere mich an einen Sonntag, an dem ein Pastor von einer Familien-Tradition zu Thanksgiving erzählte.
Auf der Leinwand sah ich eine große, weiße Tischdecke, bunt bemalt und beschrieben.

Der Pastor erzählte, dass sie zur Thanksgiving-Zeit immer wieder eine weiße Papiertischdecke auf den Küchentisch kleben würden. Während dieser Wochen könnte dann jeder malen oder schreiben, wofür er dankbar sei. Außerdem würden sie diese Tischdecken aufheben und in den nächsten Jahren sei es immer sehr schön und besonders, die Wörter und Bilder (und Flecken vom Essen) der letzten Jahre anzusehen.

Die Idee hat mir sehr gefallen – und seit Montag klebt eine Papiertischedecke auf unserem Küchentisch. Meine Jungs malen gern darauf herum, manchmal schreibe ich dazu, was sie meinen oder erinnere sie an die Sache mit der Dankbarkeit.

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Auch unsere Gäste dürfen mitmachen und jeden Tag kommen ein oder zwei Wörter dazu.

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Ich bin heute dankbar für:

– ruhige Nachmittage mit den Kindern und neuen Büchern aus der Bücherei

– frische Muffins aus dem Ofen (die mir jetzt fast verbrannt wären)

– Freunde aus der Kirche, die spontan auf einen ruhigen Montagabend verzichten, um stattdessen 200 Matratzen + Bettzeug in eine Turnhalle zu legen

– sanftes Herbstwetter

– saubere Fensterscheiben

– Zeit für Kaffee

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Das Schöne sehen

Ich habe sie fast hinter mir – eine dieser Wochen, ihr wisst schon. Die Kälte kam zu schnell, kann man sagen. Oder einmal im Jahr ist normal, kann man sagen.

Beide Kinder sind krank und der Mann ausser Haus – wie das dann immer so ist. Die Kinder husten schlimm, zwar fast ohne zu brechen, aber schön ist es auch nicht. Sie sind zu krank, um in die Kita zu gehen und zu gesund, um im Bett zu liegen. Und aus dem bei-Krankheit-nur-schlafen-Alter sind sie raus. Weil sie früh aufwachen, nachts schlecht schlafen und keinen Mittagsschlaf machen, habe ich fast keine Minute Ruhe…

Was aber war schön in den letzten Tagen?

– mal wieder ausschlafen können

– Augenarzt sagt: keine Brillen für die Jungs
(und das bei fast 100% Verwandtschaft mit Brille)

– Kaffee all day long

– Freunde, die mit Essen vorbeikommen

– Freunde, die mir die Kinder abnehmen

– baden in der Badewanne

– Zahnarzt sagt: beide Jungs haben tolle Zähne

– der erste Bücherei-Besuch nach Kalifornien

– neue Bücher lesen, neue Filme ansehen

– zu dritt „draussen“ beim Bäcker frühstücken

– ein Auto vor der Tür haben

– Quarkbällchen von Mama

– überraschend Blumen geschenkt bekommen

– gemütliche Regen-Stimmung mit Musik und Tee

– spontane Urlaubsplanungen

– Laub harken mit den Kindern

– mal wieder mehr Zeit zusammen haben

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Refugees Welcome

Gestern bin ich zum zweiten Mal zu einem Ort, an dem Flüchtlinge untergebracht sind, gefahren. Zu beiden Adressen dauerte die Fahrt mit dem Auto etwa 12 Minuten – und das waren nichtmal die Heime, die unserem Haus am nächsten liegen.

Mit Freundinnen, die regelmäßig zum Frühstück kommen, habe ich die Spendenaufrufe unseres Bezirks verfolgt und zusammen haben wir gesammelt. Tiefe Teller, Schnellhefter, Turnschuhe für Männer.
Hygieneartikel werden benötigt. Zahnbürsten, Damenbinde, Shampoo, Feuchttücher, Seife. Wir alle wissen, wie wichtig solche Kleinigkeiten für uns sind.

 

Shampoo
Ich habe zwei Duschbäder von Avon aussortiert und festgestellt, dass die Beschriftung auch in arabisch auf der Flasche steht. Zeug von Avon zu spenden, wäre also eine gute Idee!

Durch die präzisen und aktuellen Angaben auf der Website können wir wissen, dass unsere Spenden gebraucht werden. Gestern zum Beispiel wurde ein Spendenstopp gepostet, denn die Lager sind voll.
Nur noch AB Fahrscheine werden benötigt. Und Babytragen oder Tragetücher. Dringend.

Die erste Adresse führte mich zu einem Lager neben einem Heim für minderjährige Flüchtlinge. Es sah aus, als würde dieses Lager auch sowas wie ein Trödelmarkt sein, denn dort standen zum Beispiel viele Möbel oder auch Gemälde mit Preisschildern.

Die Einfahrt zur Spenden-Annahme ist gut ausgeschildert und ich hätte direkt hinter dem Zaun stehen bleiben und klingeln können.
Weil ich das nicht wusste, fuhr ich etwas weiter auf den Hof.
Zwei Mitarbeiter zeigten mir den Weg und ein kleiner freundlicher Mann mit russischem Akzent führte mich zu seinem Chef, nachdem er mein Anliegen gehört hatte.
Ich hatte im Internet gelesen, dass die Spenden eventuell vor dem Abgeben begutachtet werden sollen – und so erklärte ich, was ich abgeben könnte.
„Zuerst einmal vielen Dank für Ihr Spendenangebot“, sagte der „Chef“ zu mir. Er wollte wissen, wie ich von dem Spendenaufruf gehört hatte. Die Zeitangaben auf der Website waren nämlich falsch und scheinbar nur durch Zufall hatte ich ihn dort angetroffen.

Von Weitem schon sah er die Regale, die ich im Kofferraum hatte – und er wollte sie. Die Kisten mit den Tellern nahmen die Mitarbeiter auch mit und mit Handschlag bedankte sich der Chef noch einmal bei mir. Im Nachbargarten sah ich ein paar Jugendliche sitzen – aber wirklich nur in der Ferne.

Inzwischen hatte das Containerdorf in unserer Nachbarschaft geöffnet, wir waren beim „Tag der offenen Tür“ gewesen und die Verantwortlichen waren und sind noch immer überwältigt von dem Hilfsangebot der Nachbarn aus Steglitz/Zehlendorf.
Ende August sind die ersten Bewohner eingezogen, aber sie werden in Ruhe gelassen und sollen sich langsam an ihre Bleibe gewöhnen können.
In dieses besondere Containerdorf für kranke, schwer traumatisierte oder behinderte Flüchtlinge ziehen Menschen, die schon länger in Berlin leben. Sie sind also sowohl mit der Sprache, als auch mit unserer Berliner Luft schon ein wenig vertraut.
Heute Abend findet ein Treffen für alle freiwilligen Helfer statt und dann werden wir erfahren, wo und wann unsere Hilfe gebraucht wird.

Mit Liam bin ich gestern Nachmittag also zu einem weiteren Containerdorf gefahren.
Zwei Freundinnen hatten Hygieneartikel gepackt und ich habe eine Tüte Spielzeug aussortiert.
Ich kann euch sagen: Eine Kiste mit altem Spielzeug zu packen und sie monatelang in die Abstellkammer zu stellen ist eine Sache. Aber diese Kiste dann für immer ab- und wegzugeben ist eine ganz andere.
Bei jedem Spielzeug, das letztendlich in der Tüte landete und das meine Jungs seit 2 Jahren kaum eines Blickes gewürdigt hatten, kannte ich die dazugehörige Geschichte.
Das hier hat Liam zur Geburt von … bekommen. Und das haben sie von … bekommen und wir haben damit immer … gespielt. Und das hier, ach das war damals ganz wichtig, um … .
Am Ende hätten die Kinder noch viel mehr gegeben, aber ich habe sie erstmal ein bisschen gebremst. Nostalgik und so. Die nächste Tüte kommt bestimmt.

volle Tüten

Wir fanden das Containerdorf schnell, obwohl die Hausnummer dem Navi natürlich noch nicht bekannt war. Die weiß-bunten Container leuchteten in der Sonne, viele Kinder spielten in der Einfahrt, ein buntes Willkommen-Schild hing am Zaun.

Containerdorf
Der Pförtner war gerade damit beschäftigt, einer anderen Spenderin und einer Bewohnerin aus Bosnien beim Sortieren und Übersetzen zu helfen.
Er sah meine Tüten, freute sich über das Spielzeug, nahm sie mir ab und bedankte sich. Das war’s.

An beiden Tagen konnte ich die Dankbarkeit spüren, die mir entgegengebracht wurde. Ich weiß natürlich nicht, wer genau unsere Spenden bekommt. Aber es fühlt sich gut an, ein Teil von etwas Größerem zu sein. Es tut nicht weh und es ist das mindeste, was ich tun kann.

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