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papa. mama. drei jungs. haus und garten. berlin.

Ein neuer Alltag.

auf 22. September 2016

Unser Leben ist ruhig geworden.
Die vollen schönen Sommertage sind vorbei und auch die Einschulung, auf die wir monatelang hingefiebert haben. Ich habe versucht, die ersten Schulwochen ruhig zu halten und das ist uns erstaunlich gut gelungen.

Jeden Morgen um 6:00 Uhr klingelt mein Wecker. Das ist eine Umstellung, auch der Zeitdruck, der dahinter steht. In der Kita können wir so zwischen 8:00 Uhr und 9:00 Uhr antanzen – in der Schule gibt es nicht viel Freiraum.
Montags müssen beide Punkt 8 in ihren Räumen sein – da gehen wir dann verpennt zu viert aus dem Haus. Aber an den anderen Tagen gehe ich 7:30 Uhr mit Emilian aus dem Haus, bin dann so 8:15 Uhr wieder da und drehe dann mit Liam meine Runde. Ich fahre mit dem Fahrrad und obwohl es schon echt kalt morgens ist, macht die Sonne das frühe Aufstehen noch leicht. Wenn ich kurz nach 9:00 Uhr wieder zuhause ankomme, dann kann es schon mal vorkommen, dass ich erstmal auf die Couch falle, eine Folge meiner Serie gucke, mit dem Mann frühstücke oder einfach einschlafe. Manchmal geht das und diesen Luxus gönne ich mir.

Der frühe Start bringt nämlich ungewohnt lange ruhige Vormittage mit sich. Das ist auch eine Veränderung, die ich grad sehr schätze. Heute habe ich mit einer Freundin gefrühstückt, ich schaffe wieder sowas wie Haushalt oder Herbstdeko ohne Kinder und bis Januar werde ich diese Zeit sehr genießen.

Zwischen 12:30 Uhr und 14:00 Uhr werden die Kinder wieder abgeholt. Emilian isst kein Mittag in der Schule und dieser Teil des Tages muss sich noch einspielen. Ich mag es nicht so, mit Kochen und Essen erst gegen 15:00 Uhr fertig zu sein, aber manchmal reicht auch ein kleiner Snack und wir essen am Abend warm.

Emilian hat nicht wirklich sowas wie Hausaufgaben auf, aber kleine freiwillige Übungen macht er schnell und gern. Langsam landen die ersten Arbeitsblätter in den Heftern, ich sehe erste „Prima! Weiter so!“-Stempel auf den beschriebenen Seiten und die ersten Buntstifte müssen angespitzt werden. Heute ist das erste Paar Schuhe verschwunden – wir hoffen, dass es bald wieder auftaucht – und auch die ersten kleinen Kämpfe oder Diskussionen mit Kindern oder Erwachsenen hat er hinter sich.

Wenn ich nicht wüsste, dass Emilian vor ein paar Wochen noch ein Kindergarten-Junge war, würde ich es nicht glauben. Einfach der Zustand, Schulkind zu sein, hat ihn verändert.
Wenn Liam ihn mit abholt, zeigt er seinem kleinen Bruder cool den Schulhof, er flitzt um die Ecken, um die er im Juli noch vorsichtig geschlichen ist, er verabschiedet sich am Morgen tapfer von Mama und er rollt schonmal die Augen, wenn eine Erzieherin ihn zurechtweist. Das alles ist normal und hält sich in Grenzen, er ist ein ziemlich cooler Schuljunge.
Nach 7 Tagen neben seinem Kita-Freund wurden sie nun auseinander gesetzt. Emilian sitzt neben einem ruhigen blonden Mädchen und fragte mich heute, ob er sie mal zum Spielen einladen kann.

Es gibt einen Jungen in seiner Klasse, der bestimmt zwei Köpfe größer als Emilian ist. Emilians Hausschuhe passen fast in die Hausschuhe dieses Jungen. Die Eltern dieses Jungen merkten am ersten Elternabend vor der Einschulung an, dass ihr Sohn doch sehr Respekt vor der Schule hätte und eher ängstlich und schüchtern sei. Heute lag Emilian hier weinend unterm Bett im Gästezimmer, weil eben dieser Junge ihn geärgert hätte…
Gestern waren sie Freunde, ich glaube, sie verstehen sich gut – aber ich lerne jetzt, mit solchen Situationen umzugehen. Ich lerne, dass es wohl nicht immer mein Sohn ist, der einsteckt, wenn andere austeilen. Ich lerne, dass Emilian lernen kann, Probleme allein zu klären und den Mund aufzumachen. Und ich lerne, wo ich ihn stärken und ihm zur Seite stehen kann.

Weil ich aber das Gefühl habe, dass es allen Lehrern und Erziehern echt wichtig ist, dass die Erstklässler gut ankommen, dass die Eltern auch in der zweiten Woche noch im Klassenraum Tschüß sagen dürfen  und dass das Miteinander und der Umgang auf dem ganzen Schulgelände hell und freundlich ist, fällt es mir ganz leicht, meinen Großen gehen zu lassen und ihn sein Ding machen zu lassen.

Noch ist er so stolz und zeigt mir jede neue Aufgabe, die er geschafft hat. Er erzählt, wie die Lehrerin die Klasse lobt. Er lernt mehr Kindernamen. Er winkt auf dem Weg nachhause seinen Freunden. Er gibt mir jede wichtige Nachricht weiter, die von den Lehrern kommt und er beantwortet – zu seiner Zeit – fast alle Fragen, die ich stelle.

Es heißt immer, alles steht und fällt mit der Klassenlehrerin – und eben darauf hat man vorher ja keinen Einfluss. Aber ich bin wirklich glücklich, dass es uns allen nach den ersten Wochen so gut geht.

Meine Mama und ich hatten beide die Idee, meinen letzten Blog-Eintrag an meine allererste Klassenlehrerin zu schicken. Wir haben noch Kontakt und es ist verrückt, an meine ersten Schultage im Jahr 1991 zu denken und zu wissen, dass meine Lehrerin von damals jetzt liest, wie mein Sohn seine ersten Tage meistert. Ist das nicht cool?

Obwohl ich kalte Füße und raue, trockene Haut echt nicht mag und so viele Kleinigkeiten aus Frühling und Sommer vermisse, geht es mir zur Zeit mit dem Herbst-Gefühl gar nicht so schlecht. Ja tatsächlich, sowas aus meinem Mund – oder aus meinen Fingern.

Ich habe tolle Umstands-Oberteile für kältere Tage, ich habe uns schönen Tee gekauft und ich freue mich, dass der Garten mal aufhört, schnell zu wachsen.
Es wird viel Platz schaffen, alle Sommerschuhe und das Schwimm-Zubehör aus dem Flur zu räumen und auf jedem Nachhauseweg bleiben wir unter einem Kastanienbaum stehen, um die leere Brotbox mit den glänzenden runden Dingern zu füllen.
Ich liebe es, Zeit dafür zu haben.
Ich liebe es, im Herbst Dinge zu tun, die man im Herbst tut.
Blätter sammeln. Das Gesicht in die tiefstehende Sonne zu halten. Chai Latte trinken. Kürbissuppe machen. Blätter pressen. Pflaumenmarmelade kochen. Apfelkuchen backen.

In den ungemütlicheren Monaten werde ich mich dann ablenken oder ausruhen, mich nach langer Zeit wieder auf ein Baby vorbereiten und mit den Jungs in die Bücherei gehen.
Jetzt sprechen mich täglich andere Mamas oder Erzieherinnen auf den Babybauch an und freuen sich, wenn ich auf ihre vorsichtige Frage mit einem Nicken antworte. Heute schätzte jemand, dass ich im 2. Monat sein könnte. Na, fast. Schon 24 Wochen ist das Beebi bei mir!
Aber der kleine Bauch hat natürlich Vorteile und es geht mir richtig gut!

Bis Januar werde ich abends ausgehen, verreisen, durchschlafen, meine Kurven betonen, meine langen Haare lieben, Freunde besuchen und ins Kino gehen… wer weiß, wie das neue Jahr für uns startet!


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