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Ein besonderes Weihnachten

Ich werde nicht viele Worte über die letzten Geschehnisse in unserer Stadt verlieren. Es wird so viel gesagt, spekuliert, geschimpft und verbreitet.
Aber an der richtigen Stelle fehlen die Worte.
Uns und unseren Freunden und Familien geht es gut, obwohl es sich schrecklich anfühlt, jetzt plötzlich in Berlin und mit Berlin zu trauern.

Zur Weihnachtszeit teile ich sehr gern das Deckblatt der Berliner Morgenpost:

Umso wichtiger finde ich jetzt, das Gute und Schöne zu erzählen. Liebe und Hoffnung zu teilen, statt Angst und Schrecken zu verbreiten.

Ich erzähle euch von einer Weihnachtsfeier im Flüchtlingsheim.

Solche besonderen Feiern zu Weihnachten gehören zu meiner Kindheit. Wir haben oft mit Freunden aus dem Kinderheim, mit Flüchtlingen, mit Alkoholikern und anderen Bekannten gefeiert, die in der Gesellschaft am Rand stehen und zu Weihnachten gern mal vergessen wurden.

Singen in stinkenden Hausfluren, anonyme Tüten mit Kaffee, Seife, Obst und Schokolade packen, ein Lächeln aus Gesichtern sehen, die sonst nicht viel zu lachen haben, Schuhkartons für Kinder in anderen Ländern füllen, um ihnen das erste Weihnachtsgeschenk überhaupt zu bescheren, merkwürdige Gestalten am Weihnachtsabend neben uns unterm Baum zu haben, Essen teilen, Plätzchen in kalten Einkaufspassagen verteilen…

Wir vier Kinder waren immer dabei, es gehörte dazu, diese Leute zu besuchen oder einzuladen. Wenn ich daran denke, wie ich mich jetzt mit meinen eigenen Kindern zum Beispiel in einer Notunterkunft bewege („Fasst das nicht an! Geht eure Hände waschen! Nimm die Finger aus dem Mund! Setz dich bitte nicht dahin! …“), dann bewundere ich meine Eltern, wie entspannt und normal sie uns den Umgang mit „anderen Menschen“ beigebracht haben.

Wir vier wollten gestern zur Weihnachtsfeier in die Notunterkunft gehen, in die wir auch im Sommer regelmäßig zur Teestube gingen. Emilian ließ ich dann aber wegen seiner Erkältung mit Oma zuhause und auch mein Mann blieb im Bett liegen, weil er mal eine Pause brauchte. Ich war mit einer Freundin verabredet, die zum ersten Mal kommen wollte. Zusammen hatten wir Kinderpunsch gekauft und wollten ihn am Abend verteilen.

Liam kam nicht ganz freiwillig mit, aber kurz vor 17:00 Uhr machten wir uns zusammen auf den Weg. Es war dunkel und sehr kalt – fühlte sich ziemlich weihnachtlich an.

Wir parkten vor dem Heim und trafen viele Kinder und Erwachsene, die wir schon kannten, im Hof wieder. Die Tür zum Feierraum war noch abgeschlossen, der Punsch stand in den Wärmebehältern bereit und jemand mit einer Gitarre sammelte die Bewohner in der Mitte des Hofes um einen Kreis aus Kerzen.

Schon durch wenige gewechselte Worte fiel mir auf, wie gut viele Menschen dort inzwischen deutsch gelernt hatten! Mit den Kindern konnten wir uns richtig unterhalten. Und beim gemeinsamen Weihnachtlieder singen war der Text eindeutig zu verstehen. Die leichten Akzente aber machten die deutschen Volkslieder an diesem Abend zu etwas ganz Besonderem.

Nach ein paar Liedern wurden die Kinder ganz aufgeregt, denn die Tür öffnete sich und alle durften in den geschmückten Raum. Es gab einen Weihnachtsbaum, eine kleine Holzkrippe und viele Tische mit Tannengrün, Kerzen, Mandarinen und Keksen – wie es eben in so einem Weihnachts-Raum aussehen sollte. Am Rand standen ein paar Stühle und trotzdem war es kaum möglich, alle in den Raum zu bekommen.
Liam quengelte an mir herum, wir standen hinten und er sah natürlich kaum etwas. Es roch nach vielen aufgeregten Menschen, wir verstanden kaum ein Wort und Liam hatte keine Lust mehr. Ich setzte mich auf den Boden und nahm ihn auf den Schoß.
Ich sah kleine Kinder, die im Sommer noch Babys gewesen waren und jetzt ihre ersten Schritte machten. Ich konnte mich mit einer Mama unterhalten, die mich vorher nur schüchtern anlächeln konnte.
Mir fiel auf, dass viele Bewohner noch immer FlipFlops und zu kurze Hosen trugen.

Ein Mitarbeiter setzte sich hinter die Krippe und brauchte eine Weile, um gehört zu werden, aber mit der Aussicht auf tolle Geschenke, schafften es die aufgeregten Kinder und Jugendliche, der Weihnachtsgeschichte zuzuhören. Bestimmt hatten sie sie in den Schulen schon ein paarmal gehört, denn sie konnten gut folgen. Ein paar kleine Holzfiguren waren Maria, Josef, ein Hirte und zwei Schafe, eine große LED-Kerze war aus Mangel an mehr Figuren ein Engel.

Ich dachte bei mir, dass ich aus Rücksicht auf die Erlebnisse der Geflüchteten die Geschichte ein bißchen vorsichtiger und rücksichtsvoller erzählt hätte… Aber warum eigentlich?
Die weite, beschwerliche Reise der schwangeren Maria, ein großer böser König, kein Platz in den Wohnungen, eine Ruhestätte in einer dunklen, verlassenen Ecke… ist das nicht alles ziemlich genau so, wie die Familien aus Syrien es auch erlebt haben?

Am Ende der Geschichte bat ein anderer Mitarbeiter die Kinder, sich in Ruhe anzustellen. Man hatte uns vorher erzählt, mit wie viel Liebe und Aufwand für wirklich jedes Kind ein Geschenk ausgesucht wurde, in Altersgruppen eingeteilt. Die Kinder sammelten sich hibbelig um den Baum herum, als plötzlich die Tür wieder aufging und ein großer, echter Weihnachtsmann in rotem Kostüm mit Hut und Bart den Raum betrat.
Liam verschlug es die Sprache, noch nie hatte er einen richtigen Weihnachtsmann gesehen. Der Weihnachtsmann sprach leise und ruhig und lieb, wie man sich das so vorstellt. Er begrüßte jede Person mit der Hand und schob sich durch den Raum bis nach vorn zum Baum. Er bat um ein Lied von den Kindern und sofort fingen alle an, laut und aus vollem Herzen „Schneewittchen, Weißröckchen, wann kommst du geschneit?“ zu singen.

Die Mitarbeiter gaben dem Weihnachtsmann danach ein Geschenk nach dem anderen. Es waren volle Schuhkartons, dazu gehörte jeweils ein Schokoladenweihnachtsmann und eine große Tüte voller Süßigkeiten. Die Kartons waren beschriftet und jedes Kind, Jugendliche und auch Eltern wurden mit Namen aufgerufen.
Wenn eine Person nicht sofort reagierte, wuselten alle anderen so lang im Raum, bis sie sie gefunden hatten und zum Weihnachtsmann geschoben hatten.
Jedes beschenkte Kind rannte sofort strahlend zu den Eltern zurück und zeigte den Karton wie einen Schatz. Die kleineren von ihnen stürzten sich sofort auf die Schokolade, die größeren rannten hoch in ihre Zimmer oder zeigten sich gegenseitig ihre Päckchen. Es war ein sehr fröhliches, dankbares, glückliches, lebendiges Gewusel überall.
Liam wartete vergeblich darauf, dass sein Name gerufen wurde, aber ich erklärte ihm, dass wir für unser Weihnachtsfest noch dreimal mehr schlafen müssten.

Die Mädchen schnappten sich die Plätzchen-Teller und rannten über Haus und Hof, um Lebkuchen und Zimtsterne zu verteilen.

Eine Gruppe amerikanischer Besucher bespaßte die Kinder, die über den Hof flitzten. Die Mädchen wurden geschminkt und durften sich die Nägel lackieren lassen, für die Jungs wurden Luftballon-Figuren gedreht. Auch Liam war ganz stolz, als er ein grünes Ballon-Schwert bekam.

Ich freute mich, dass auch Männer und Frauen den warmen Punsch genossen, Plätzchen aßen und redeten und lachten. Einige von ihnen waren im Sommer eher in sich gekehrte Einzelgänger gewesen.
Obwohl es sehr kalt und windig war, war die Stimmung feierlich und festlich.

Ich weiß nicht, wieviele der Bewohner wussten, was Weihnachten für uns ist. Oder ob sie selbst vielleicht bereits Weihnachten gefeiert hatten. Ich weiß nicht, wie viele Geschenke die Kinder in den letzten zwei Jahren bekommen hatten. Ich weiß nicht, ob Kinderpunsch und Lebkuchen und Zimt für fremde Geschmäcker auch festliche Gefühle auslöst…
Aber ich weiß, dass der Abend ein besonderes Weihnachten für mich, für uns, für Berlin war.

„Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine Botschaft, die das ganze Volk mit großer Freude erfüllt:
Heute ist für euch in der Stadt, in der schon David geboren wurde, der lang ersehnte Retter zur Welt gekommen. Es ist Christus, der Herr. Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe! Ehre sei Gott im Himmel! Denn er bringt der Welt Frieden und wendet sich den Menschen in Liebe zu.“

aus der Bibel, Lukas 2

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Mein Vorschuljunge

Man sagt, dass ich früher mal mehr im Blog geschrieben habe. Sehe ich auch so. Mehr, als nur „12 von 12“ und „Hallo, neuer Monat!“ Und so.

Ich hatte mehr Zeit. Und weniger drumherum. Was auch so alles in meinem Kopf herumschwirrt… Soll ich mal sammeln?

Der Haushalt, Umräum-Pläne hier und da, das Büro sortieren, die Wäsche, Kinderkleidung passend und sauber halten, der Garten, der Mann, abends weggehen und so, die Ehe lebendig halten, die Kinder, der Große und der Kleine, Kitaprogramm, Vorschulkram, Eltern-Treffs, Beziehungen bauen und pflegen, Freundschaften, Freundinnen fragen, wie es ihnen geht, die Familie, Geburtstage, whatsapp, Hochzeitsgeschenke, Karten schreiben, Emails beantworten, die Kirche, Ehrenämter, Veranstaltungen, Kurse besuchen und vorbereiten, mit Freunden wegfahren, mal was für mich, einkaufen, die berufliche Situation, fast kein Einkommen haben, planen, vorsorgen, keine Sorgen machen, die Nägel lackieren, die Nachbarn kennenlernen, Bücher lesen, genug schlafen, gut aussehen, glücklich sein.

Das ist alles so in meinem Kopf. Und noch mehr.
Mein Büro-Job hat mein Leben jetzt nicht unbedingt viel anstrengender gemacht – aber die 11 Stunden in der Woche sind halt weg. Ich bin egoistisch und nehme im Kopf fast nichts von der Arbeit mit nachhause, im Büro nicht an Privates zu denken, klappt nicht immer.

Das soll jetzt keine Ausrede sein, warum ich hier nicht mehr so oft schreibe. Material hab ich im Kopf und Herz genug! Irgendwas muss aber immer warten. So ist das.

Zum Beispiel habe ich in diesem Jahr auch (noch) nicht geschafft, die Geburtstagsbriefe an meine Jungs zu schreiben. Es kostet Zeit und Nerven, aber sowas lohnt sich. Zum Aufschreiben, zum Behalten, zum Vorlesen und zum immer wieder Lesen.

 

Heute schreibe ich deswegen einfach mal so ein paar Gedanken über Emilian auf. Mein Großer. Mein Vorschulkind.

Er ist so toll.
Er ist schlau. Er ist sensibel. Er ist aufmerksam. Er ist ausdauernd. Er ist gewissenhaft. Er ist ehrgeizig. Er ist fürsorglich. Er ist nachgiebig. Er ist humorvoll. Er ist schnell. Er ist gewitzt. Er ist liebevoll. Er ist geduldig. Er ist kreativ.

Wir teilen die Liebe zu Büchern und Hörspielen, die Freude am draußen sein, die Liebe zu Kleinigkeiten und Besonderheiten, die Fähigkeit, Freundschaften zu beginnen und zu halten.

Ich höre gern von seinen Gedanken, Fragen und Antworten und er hilft mir, die Welt zu erklären und zu verstehen. Er hat tolle Lieblingsthemen und kann sich viele Einzelheiten über lange Zeiten hin merken. Die Schule wird ihm neue Welten eröffnen und er wird begeistert in diese Welten eintauchen.

Ach ja… die Schule.
Ich erinnere mich an das kleine, stille, schüchterne Mädchen, das 1991 eingeschult wurde. Und in 4 Monaten ist es für Emilian soweit. Vier Monate!

Unsicherheiten und Sorgen und Fragen bewegen mich. Auf der anderen Seite ein fettgedrucktes „Das haben bis jetzt alle vor uns auch geschafft!“ 
Ich versuche, ganz viel Freude und Neuiger und Vorfreude mit Emilian zu teilen. Ängste werden schon früh genug kommen.

Es gibt Momente, in denen er sich fest an mich klammert und sich keinen Schritt wegtraut. Sehr häufig kam das am Anfang dieses Jahres vor, was mit dem Beginn meiner Arbeit zu tun haben kann. Umso wichtiger ist es mir geworden, Zeiten in Ruhe oder Zeiten zu zweit zu finden.

Weil er im Kindergarten und im Kindergottesdienst gar nicht gern ohne mich sein wollte, habe ich mich gefragt, woran das liegt. Vertraute Personen, gute Freunde, bekannte Umgebung.

Ich habe mich gefragt, was ihm wirklich Spaß macht.
Ist das Kinderzimmer zu voll?
Sind die Wochentage zu voll?
Ist mein Alltag zu voll?

Eine Veränderung brachte auf jeden Fall das wärmere Wetter. Wenn er mit Liam in seiner „Höhle“ oder auf dem Sandberg spielen, experimentieren, phantasieren und an frischer Luft Kind sein darf, ist er ausgeglichener. Eine Runde Rad fahren, schaukeln und klettern tut ihm gut. Hörspiele und Malhefte helfen ihm, den Kopf abzuschalten.

Dann ist mir aber noch eine andere Sache aufgefallen:
Seit Mitte März ungefähr gehen wir regelmäßig, einmal in der Woche zur „Teestube“. Das ist ein kleiner Raum in einer großen Gemeinschaftsunterkunft, ein paar Minuten entfernt von uns.

Es war mir wichtig, dabei zu sein, weil diese Unterkunft so nah bei uns ist und weil die Kinder dort inzwischen fast fließend deutsch sprechen können. Wir sind dort meist so 2 Stunden und trinken Tee, Kaffee oder Kakao, wir spielen und puzzeln, wir klettern und rutschen, wir reden und lachen.

Es ist kein großes Ding für mich. Aber für die Kinder.

Als die Flüchtlingskinder mich nach den ersten Besuchen anlächelten, mich erkannten und nach meinen Jungs fragten, wenn nur einer von ihnen dabei war, wusste ich, dass ich da richtig bin.

Egal, wie voll der Tag oder wie spannend das Spiel gerade ist… Wenn ich rufe: „Wollen wir zur Teestube?“, rufen meine beiden Kinder „Jaaa!“ und ziehen ihre Schuhe an. Das berührt mich sehr, denn ich weiß, wie wichtig diese Beziehungen sind. Für uns alle.

Der Raum der Teestube ist nicht besonders warm, es ist laut und nicht sehr sauber. Die Stühle sind wahrscheinlich von überall gesammelt, es ist eng und die Regale sind voll mit irgendwelchem Zeug. Aber der Raum ist voller Liebe und Leben!

Ich sehe, wieviel Spaß Emilian dabei hat, völlig fremden Jungs ein Spiel zu erklären. Wie er vor Aufregung wie ein Flummi auf der Couch hüpft und die Zahl des Würfels kaum erwarten kann. Wie er loslacht, wenn ein Spielstein weiterziehen darf.

Ohne nachgedacht zu haben, habe ich ein Spiel mitgenommen, bei dem es keine Gewinner oder Verlierer gibt, sondern sozusagen die Gruppe gegen das Spiel spielt. Und der Jubel war soo laut, als die Kinder knapp gewonnen haben.

Die coolen Jungs, die heimlich lächeln, wenn sie eine gute Zahl würfeln. Die schüchternen Mädchen, die ihren Kakao löffeln und mir ihren Namen flüstern. Die Rabauken, die durch den Raum flitzen und alle ihren Namen aufschreiben lassen. Die Brüder und Schwestern, die jeweils dem anderen einen Platz freihalten. Und meine Kinder, die lernen, wie gut sich teilen anfühlt.

In der letzten Woche hatten wir einen Fußball dabei und spielten ein bißchen auf dem Hof. Als es kälter wurde, ging ich mit Liam in den Raum zurück, Emilian blieb draußen.
Später kam ein junger Mann zu mir und fragte mich auf englisch, ob er mit meinem Sohn spielen dürfe. Und dann spielten sie zu zweit, später zu dritt und zu viert – in mehreren Sprachen.

Die „Teestube“ hat mir wieder gezeigt, dass es etwas gibt, was Emilians Herz berührt und fröhlich macht. Ja, ich bin mit ihm da, aber er spielt frei, rennt umher, lacht und tobt.

Ich möchte viele dieser Momente in diesem Sommer mit Emilian erleben, im letzten Sommer vor der Schule. Und ich möchte ihm nicht vermitteln, dass Schule irgendwas mit dem Ernst des Lebens zu tun hat.

Ich möchte ihm zuhören, wenn er philosophiert. Ich möchte auf dem Fahrrad neben ihm fahren und reden. Ich möchte mit ihm lesen und schreiben, backen und Unkraut zupfen. Ich möchte ihn zum Lachen bringen und ihn auf den Schoß nehmen, so oft es geht.

Und wenn all‘ das Neue im Leben zu aufregend für uns beide ist, dann möchte ich ihn mit Geduld und Liebe ermutigen. Und festhalten, wenn es sein muss. Und loslassen, wenn es sein muss.

 

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Szenen aus unserem Alltag

Es gibt Zeiten, da passt dieser Titel einfach ganz gut.

* Nach dieser letzten krassen Woche kamen mir die vergangenen Tage sehr ruhig vor. Am Dienstag, als dann alles vorbei war, hat mein Mann mich zum Frühstück ausgeführt, nachdem die Kinder im Kindergarten abgegeben waren. Und danach hab ich mich einfach auf unsere Couch gelegt und hab geschlafen, vor 12:00 mittags. Was sein muss, muss sein.

 

* Die kleine Feier am Mittwoch Nachmittag mit den beiden Cousinen + Cousin war schön und ein Witz im Vergleich zu den Tagen davor. Ich brachte Reste der Götterspeise und einen Apfelkuchen mit und die Kinder aßen, tobten im Keller, aßen und tobten im Keller. Sie bekamen  tolle Geschenke und waren glückliche Jungs.

 

* Die Übergabe im Kindergarten war in letzter Zeit nicht so einfach für Emilian. Es gibt keinen richtigen Grund dafür.. er sagt, er möchte gern, dass ich bei ihm in der Kita bleibe und er sagt, die Kita sei ihm zu langweilig. Das kann bei einem fast-Schulkind auch tatsächlich stimmen. Wir nahmen uns also Zeit und machten die Abschiede so angenehm wie möglich. Am Montag und am Mittwoch blieb Emilian zuhause, weil seine Gruppe geschlossen oder aufgeteilt wurde, und die Zeit allein zuhause und allein mit uns tat ihm sehr gut. Gerade die großen Kinder haben eher weniger alleine-Zeit mit Mama oder Papa. An der Sache mit dem vollen Liebestank ist echt was dran. Der Abschied am Donnerstag Morgen klappte perfekt und die freie Zeit genießen wir alle jetzt sowieso.

 

* Zum ersten Mal war ich zusammen mit meinen Jungs in einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete. Zusammen mit einer anderen Kirche ist unsere Kirche Mavuno Berlin sozusagen Initiator einer wöchentlich stattfindenden „Teestube“. Und weil das eben ein lockeres Treffen am Nachmittag ist, habe ich die Kinder einfach mal mitgenommen. Zusammen mit einer Freundin sind wir mit den Fahrrädern dorthin gefahren.
In einem Hinterhof, auf dem ein paar Männer rauchten und Kinder spielten, stellten wir unsere Räder ab. Bunte Zettel mit der Aufschrift „Teestube“ zeigten uns, wohin wir gehen mussten und es erwartete uns ein kleiner Raum voller Menschen. Sofort wurden wir lächelnd begrüßt, wir bekamen Tee und Kaffee und leckere Kuchenspenden eines Bäckers aus der Umgebung.
Um in Ruhe anzukommen und weil an allen Tischen lebhafte Gespräche stattfanden, setzten wir uns an einen freien Tisch. Die Kinder aßen ihren Pfannkuchen, ich trank meinen Kaffee und wir beobachteten die Menschen um uns herum. Junge Mütter mit Babys saßen an dem einen Tisch, junge Männer an dem anderen. In einer Couch-Ecke spielte man irgendein Spiel.
Ich ermutigte meine schüchternen Kinder, draußen nach anderen Kindern zu suchen.. aber zuerst sahen sie zu, was an dem Tisch gespielt wurde.
Wir setzten uns dazu und spielten eine Weile „Schokoladen-Osterhasen schießen“ mit.

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Später gingen wir doch zusammen raus und entdeckten einen Spielplatz. Es war kühl draußen und nur zwei Mädchen kamen mit uns mit. Freundinnen von uns spielten mit ihnen Fangen und ich ließ meine Jungs erstmal allein auf der Rutsche und der Schaukel spielen. Sie sollten sich in Ruhe an die Umgebung gewöhnen, dann würden sie sicher irgendwann selbst ihre ersten Kontakte knüpfen.

Ich war lange nicht mehr mit Flüchtlingsfamilien zusammen und mir fiel auf, wie gut viele von ihnen inzwischen deutsch sprechen konnten. Die Kinder gingen wahrscheinlich zur Schule und sprachen fast fehlerfrei. Und genau das würde es Emilian und Liam dann auch leichter machen.

Sie schossen einen Ball hin und her und später kamen ein paar größere Jungs dazu. Sie waren mit dem Fahrrad zu einem anderen Spielplatz unterwegs gewesen und kamen nun nach und nach nachhause. Fasziniert sahen sie meinen Kindern zu und versuchten, sie zu verstehen. Sie luden uns ein, morgen wiederzukommen. Ein Gespräch war so gut möglich, weil wir in einer Sprache reden konnten!

Zuhause erzählten die Kinder Papa, sie hätten jetzt neue Freunde. Das war es, was sie von diesem Nachmittag mitgenommen haben. Kein „Warum hatten die Kinder FlipFlops an?“, kein „Wohnen die alle da?“ oder so. Sondern: Wir haben neue Freunde!

 

* Die ersten Tage im Hochbett waren neu und ungewohnt für die Jungs. Liam kam, mal mit, mal ohne Decke zu uns getappelt, weil sein Bett ihm zu lang sei.
Emilian schmiß jeden Abend die neue Decke über Board, weil sie seine Büchersammlung im Bett verdeckte… Als wir dann wieder jeden Morgen zu viert im Bett aufwachten, mit kleinen Füßen an der Schulter und einem Popo im Genick, gab es eine Familienbesprechung.
Emilian sagte, er käme zu uns, weil sein Zimmer in der Nacht zu dunkel sei. Gut, wir ließen also das Rollo zur Probe mal oben.
Für Liam reichte es schon, dass wir sagten, dass in seinem Bett viel, viel mehr Platz für ihn sei, als bei uns.

In den letzten zwei Nächten blieb jeder die ganze Nacht in seinem Bett und keine Decke flog durch die Gegend. Heute habe ich heimlich die alten Decken zum Waschen geklaut und Liam sagte dann, er wollte die alte, blaue Decke nie wieder sehen! So schnell wird er groß.
Heute konnten sie es zum ersten Mal so richtig genießen, sich bis zum Hals einzukuscheln und trotzdem immernoch warme Füße zu haben.

 

* Heute war ein sehr ruhiger Tag für uns. Der Mann kochte vor dem Frühstück eine Hühner-Nudel-Suppe und verschwand dann für den Rest des Tages im Bett. Eigentlich hätten wir ins Legoland gehen können, weil wir alle vier nämlich jetzt stolze Besitzer einer Jahreskarte sind!!! Aber es regnete und wir räumten die Geburtstagstische ab, hörten Hörspiele ohne Ende und wuselten hier und da. Ich schaffte zwei Ladungen Wäsche und richtete den Kindern am Gästezimmer-Schreibtisch eine Kreativ-Ecke ein, weil wir unzählige Mal-/Sticker- und Vorschulhefte besitzen. Und so ein leerer Schreibtisch macht ja eigentlich schon von ganz alleine kreativ…

 

* Durch den Bibel-Kalender, den wir jeden Abend lesen, (den ich als Kind schon hatte) und dessen Lernverse Emilian vorbildlichst seit Anfang des Jahres kennt, werden die Kinder einfach so mit in die Zeit genommen, die wir Christen jetzt begehen. So kindgerecht, wie man die Ostergeschichte eben machen kann, bewegt und beschäftigt sie die Jungs doch sehr.
Ich kann mich sehr gut an eine Phase mit Emilian erinnern, in der er große Angst vor dem Sterben hatte und immer wieder mit Tränen in den Augen gefragt hat, ob wir vor ihm sterben. Da war er so dreieinhalb und mich hat das alles ganz schön aufgewühlt.
Vorgestern stellte Liam ähnliche Fragen. Etwas sicherer, aber doch mit zitternder Stimme. Und ich weiß jetzt, dass es eine Phase ist, die dazu gehört und kann die Fragen beruhigend beantworten.
„Wie fühlt sich denn tot sein an?“, fragte Liam.
Na, da konnte ich ihm ganz einfach sagen, dass ich das ja noch nicht weiß. Ich glaube daran, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und schwärmte den Jungs ein bißchen von diesem Leben vor.
Und beim Beten war Liam wieder gefasster und betete: „Danke Gott, dass wir nicht mehr beten müssen, wenn wir bei dir sind. Nur die anderen, die noch nicht da sind.“
Diese kleinen Köpfe und diese großen Gedanken…
Am Sonntag werden wir Ostern feiern!

 

* Morgen werde ich Cake Pops und den weltbesten Apfelkuchen für das Osterfrühstück in der Kirche backen. Obwohl wir sehr früh da sein müssen und die Zeit morgen vorgestellt wird, überlege ich ja, ihn Sonntag früh erst zu backen, weil er frisch einfach. nur. gut. schmeckt.
Wir werden zum Osterfeuer gehen und die zweistelligen Temperaturzahlen sehr genießen. Heute habe ich die Schuhe und Jacken für die wärmeren Monate vom Dachboden geholt…

 

Ich wünsche euch sonnige Ostertage!
Macht eure Familien glücklich, genießt das Lachen eurer Kinder und nehmt die Hoffnung in euch auf, die diese Feiertage versprechen!

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Die längste Woche meines Lebens

Meine Kinder sind jetzt 4 und 6 Jahre alt!
Ich hab keine Ahnung, wie und wann das passiert ist… Ich weiß nur, dass ich hier sitze, an einem sauberen Tisch, auf sehr sauberen Boden und.. ja, ein Glas Rotwein steht wohl auch hier.

Zwei volle Geburtstagstische und dunkle Augenringe sind Zeugen der letzten Tage. Mit Fotos von Liam klebt eine große 4 an der Tür und mit Bildern aus Emilians Leben klebt eine 6 an der anderen Tür. Ich war nicht mehr so fertig seit den Baby-Koliken von Liam, echt jetzt.

Ich danke allen (falls ihr es nicht bis zum Schluss des Eintrags schafft…), die diese Tage ohne Papa für mich und die Jungs so besonders gemacht haben! Ihr wisst, dass ich euch meine.
Danke, dass ihr meine Jungs so liebt.
Danke, dass ihr uns so beschenkt.
Danke, dass ihr wisst, was wir wann am meisten brauchten.
Danke, dass ihr da seid, wenn es wichtig ist.
Ohne euch wäre mein Leben anders und ich nach dieser Woche wahrscheinlich gar nicht mehr.

Für Blog-Einträge zwischendurch war wirklich! keine Zeit, obwohl jeder Tag einen eigenen Text verdient hätte.
Das kommt jetzt dafür alles in einem Wisch.
Sollte euch der lange Text stressen – bitte. Meine Woche war gar nichts dagegen…

 

Samstag, 12. März

Von Samstag gibt es schon 12 Fotos im letzten Eintrag. Ein voller Tag, wir sind beschenkt von und mit tollen lieben Menschen.

 

Sonntag, 13. März

Schon am Morgen im Gottesdienst trafen wir Freunde aus Kenia und Kalifornien, die gerade angereist sind, um eine Woche in Berlin Zeit mit Kirchen und Flüchtlingen zu verbringen. Alte Freunde aus Kalifornien nach so langer Zeit plötzlich in unserem Gottesdienst zu sehen, verwirrt mich und ich musste in diesen Tagen viel an unsere Zeit in Kalifornien denken. Wir erzählten, machten Fotos und erinnerten uns an schöne alte Zeiten.
Nach dem Gottesdienst blieb mein Mann mit allen Dazugehörigen dieser „Aktionswoche“ zum Mittag in der Kirche und ich fuhr mit einer Freundin und den Kindern in die Markthalle Neun zum Naschfest. Wir verabschiedeten uns von Papa, der am Abend für 4 Tage zum Studium nach Hannover fahren würde.

Ich bin mir sicher, dass „das Naschfest“ eine tolle Ausstellung ist und dass es viele leckere und neue und wunderbare Gebäcke gegeben hat – aber es war SO VOLL. Wir konnten nichts sehen, kaum laufen und jede von uns hatte ein Kind fest an der Hand, um es nicht zu verlieren. Wir konnten ein paar Blicke auf leckere Cupcakes oder bunte Macarons werfen, die Kinder haben einen riesigen Osterei-Cookie mit buntem Frosting und tausenden Zuckerstreuseln dekoriert und mitgenommen und wir haben einen Kaffee getrunken. Mehr Nerven hatte ich nicht mehr.

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Weil wir dann früher als geplant wieder zuhause waren, konnten wir Papa zum Busbahnhof fahren. Diese kurze Familienzeit tat gut.
Die Kinder gingen schnell ins Bett und bis sehr spät in die Nacht bastelte ich die Einladungen für Emilians Freunde, um sie am Montag Morgen in die Fächer legen zu können.

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Montag, 14. März

Unglaublicherweise standen wir alle weit vor 7:00 Uhr früh genug auf, sodass beide Jungs rechtzeitig in der Kita waren. Ich konnte in beiden Gruppen noch ein paar Minuten sitzen, was den Abschied tausendmal leichter machte und trotzdem war ich überpünktlich im Büro.
Super-Mom!
In der Zeit zwischen Feierabend und der Kinder-Abholzeit konnte ich kurz Einkäufe erledigen und mich um die unzähligen Listen kümmern, die für diese Woche auf mich warten. Geschenke kaufen und einpacken, Piraten-Party Snacks kaufen, Luftballons vorbereiten, Dekoration überdenken.
Mit den Kindern bereitete ich die Muffins vor, aber viel mehr konnte ich nicht erledigen, weil am Abend viele Freunde zu Besuch kommen würden. Über Jahre waren wir eine „Kleingruppe“ unserer Kirche, wir standen und stehen uns sehr nah und werden uns nun dritteln, um aus einer großen Gruppe drei neue Kleingruppen zu machen. Mit Raclette, Lachen und Gesprächen und lieben Briefen des Dankes und der Ermutigung verabschieden wir uns am Abend. Es gibt nicht viele Menschen, die ich so oft und sehr gern jederzeit in mein Haus und mein Wohnzimmer lasse.
Ein riesiger Geschirr- und Reste-Essen-Berg musste bewältigt werden, dann kam die Piraten-Deko und das Geschenke einpacken. Meine liebe Schwester klebte eine wunderschöne 4 mit Liams Fotos an die Tür, Luftballons, Geburtstagstisch und so weiter…. Dazu kam das Essen für die Kindergarten-Gruppe – weit nach 1:00 Uhr nachts fielen wir ins Bett.

 

Dienstag, 15. März

Emilian kletterte früh zu mir unter meine Decke und kurz vor 7:00 Uhr schlichen wir an Liams Bett, um „Happy Birthday“ zu singen. Nach dem 4. oder 5. Mal bewegte er sich, obwohl ich sicher bin, dass er wohl vorher aufwachte und sich noch ein bißchen in der Aufmerksamkeit sonnte.
Wir frühstückten schnell und Liam stürzte sich auf seinen Geschenke-Tisch. Sehr voller Freude und dankbar und wertschätzend begrüßte er jedes Geschenk. Emilian war äußerst geduldig, liebevoll und unterstützend. Er ist immer der Große, der zu Liams Feier noch 6 Tage warten muss.
Wir fuhren mit dem Auto in die Kita, um das ganze Essen heil abgeben zu können. Die Erzieher waren entzückt über die Snacks in den Piratenbooten und die Muffins.

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Ich meine, geplant zu haben, an diesem freien Vormittag auszuruhen oder gar zu schlafen – keine Chance. In den freien Stunden dekorierte ich den Piraten-Tisch, machte Snacks und erledigte Einkäufe. Für die Piraten-Schlacht schleppte ich unsere Gäste-Couch ins Kinderzimmer und die meiste Zeit brauchte ich für die coolen Piratenhaken.

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Beide Jungs konnten nach dem Mittag nachhause und sie ruhten ein bißchen aus.
Ich faltete wieder Piraten-Schiffe für die Snacks, zusammen bemalten wir eine sehr coole Piraten-Tischdecke und Liam sah mich so rumwusel und sagte: „Mama, ich hab dich lieb!“

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Die Gäste kamen, verkleidet und mit guter Laune. Wir aßen, hörten Piraten-Lieder und dann gab es oben im Kinderzimmer eine Schlacht. Die beiden großen Kinder durften aufs Hochbett und die fünf Kleinen sollten sich in der Klappcouch verstecken. Es gab viele Angebots-Zeitungsblätter, die wir zerknüllten und uns damit beworfen. Alle mochten den Spaß nicht, aber für den Rest war es eine coole, wilde Schlacht.
Die Kinder im Alter zwischen 1 und 6 teilten sich schnell in kleinere Gruppen und so verschwanden auch mal welche nach draußen, um kurz „unter sich“ sein zu können. Es war eine schöne, friedliche Piratenparty.
Zum Abendbrot gab es HotDogs und Liam war am Ende des Tages wirklich glücklich. Er schlief vor Emilian ein, was weniger als einmal im Monat vorkommt.

 

Mittwoch, 16. März

Nachdem beide Kinder in Liams Gruppe abgegeben waren, traf ich mich mit Freunden in der Kirche. Emilian wollte überhaupt nicht gern in der fremdem Gruppe bleiben. Ich hatte einen meiner freien Vormittage und konnte mir die Extra-Minuten leisten.
Im Anschluss an unser Treffen in der Kirche landeten meine Schwester, ich und zwei Freundinnen in einem schönen Eiscafé. Wir frühstückten und genossen uns, das Leben, die Sonne und die Freundschaft.
Auf dem Weg zurück begegneten wir unserem Bruder, der zu uns unterwegs war. Unser Familien-Zahnarzt des Vertrauens hat seine Praxis in einem Vorort von Frankfurt/O. und wir alle hatten dort einen Termin.
Ich holte die Kinder ab, wir aßen kurz Geburtstages-Reste, packten unsere Zahnbürsten ein und machten uns auf den Weg nach Frankfurt/O. Der Kindergarten-Zahnarzt hatte mir per Zettel-Nachricht schon vor ein paar Wochen angedeutet, dass Emilian „behandlungsbedürftige Schäden“ in seinem Mund hätte und tatsächlich gab es dort wohl zwei Löcher. Emilian saß auf meinem, Schoß und fing sofort an, zu weinen. Jedoch redete ihm die Zahnärztin sehr gut zu und mit ihr zusammen durfte er erst mich behandeln. Obwohl glücklicherweise nicht viel zu tun war, bekam ich doch eine kleine Behandlung + Betäubung. Emilian durfte wirklich richtig assistieren. Ich war für einen emotionalen „Du musst aber den Mund aufmachen“-Kampf viel zu müde und zu schwach und betete um Hilfe. Als Emilian dann zu den Vorschlägen der Zahnärztin immer wieder nickte und auch den Mund öffnete, konnten wir es kaum glauben.
Er bekam „Schlafsaft“ für den Zahn und das Loch im Zahn wurde gesäubert und gefüllt. Die „Zahnweh-Männchen“ durften wir in einer Tüte mitnehmen (Ja, sowas gibt’s) und Emilian war der stolzeste Mann auf Erden. Mit der Betäubung kam er nicht so gut klar. Immer wieder fühlte er mit dem Finger seine Lippe und als am Abend die Schmerzen kamen, jammerte er ein bißchen. Viel zu spät und nach viel zu langem Sitzen im Auto brachte ich die Jungs ins Bett.

 

Donnerstag, 17. März

Die kurzen Nächte und die Zeiten ohne Papa zerrten an unseren Nerven. Im Büro konnte ich die Augen kaum offenhalten, aber die Sonne machte mich sehr glücklich.
Am Nachmittag bereitete ich unser Gästezimmer vor, denn eine Freundin mit Freundin würde für 4 Tage nach Berlin kommen und bei uns wohnen.
Wir bemalten unsere ausgeblasenen Ostereier (diese Tüte von dm kann ich wirklich sehr empfehlen) und ich schaffte es, 52 Muffins für die Hochzeit von Freunden zu backen! Dieser Aufgabe wollte ich mich eigentlich am Freitag annehmen und ich war sehr froh, das am Donnerstag schon geschafft zu haben. Emilian war mir eine große Hilfe und kurz bevor die Mädels ankamen, waren wir fertig.

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Die Farbe geht wieder ab!

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Ich brachte die Jungs ins Bett und weil die beiden Besucherinnen da waren, konnte ich meinen Mann in Ruhe vom Busbahnhof abholen. Ich schmierte ihm ein Brot und brachte einen frisch gebackenen Muffin mit – und war sehr froh, dass er wieder da war.

 

Freitag, 18. März

Obwohl die Woche sich dem Ende näherte, spitzten sich die Ereignisse doch zu und ich spürte meine Erschöpfung mehr. Nach den drei Stunden im Büro gingen die Planungen zuhause weiter. Mein Mann war mit seinem ehemaligen Chef aus Kalifornien unterwegs und ich gönnte ihm diese Zeit sehr. Der Handwerker vom „Leben ohne Lampen“-Experiment kam spontan vorbei, um wie versprochen die Löcher in den Decken zu verputzen.
Am Nachmittag holte meine Schwiegermutter die Jungs zum Kindergeburtstag ihres Freundes ab. Er hat genau in der Mitte meiner Jungs Geburtstag und so wird das wohl im März immer sein. Es fiel Emilian nicht leicht, zu gehen und ich ärgerte mich, dass diese Woche so wenig Freiraum und so viel enge Zeitpläne hatte. Der Papa des Geburtstagskindes schickte mir Fotos und Videos vom Fest und ich war dankbar, weil ich sehen konnte, dass es Emilian gut ging.
In dieser Zeit duschte ich endlich mal in Ruhe und bereitete ein großes Fondue-Essen vor. Wir hatten unsere vier Freunde aus Kalifornien und dazu zwei Berliner Freunde zum Essen eingeladen. Noch ein großes Treffen, das aber nur zu dieser Zeit möglich war, wie so vieles in dieser Woche…
Etwas zu spät trafen unsere Freunde ein. Wir bekamen Geschenke aus Kalifornien, überraschten sie mit der geliebten „deutschen Feuerzangenbowle“ und hatten eine sehr gute Zeit.
Die Kinder wurden vom Geburtstag gebracht, rochen schön nach Marshmallow und Lagerfeuer und brauchten mich eigentlich – und eigentlich wartete schon wieder ein nächster Termin auf mich: In unserer Kirche war LadiesNight und an diesem Abend wollten wir zusammen die Cupcakes verzieren. Eine Freundin hatte mit-gebacken und so hatten wir zusammen über 70 Stück. Meine Küchentasche hatte ich schon gepackt und so saß ich mit anhänglichen übermüdeten Kindern im Kinderzimmer und wartete auf meinen Mann.
Am liebsten wäre ich einfach auf der Stelle mit den Kindern eingeschlafen…
Etwas zu spät kam ich zur LadiesNight, konnte aber die Ruhe und Entspannung am Kamin genießen. Ein paar von uns gingen in die Sauna, andere redeten, wir verzierten alle Muffins erfolgreich und lackierten uns die Nägel für die große Hochzeit am nächsten Tag. Obwohl ich wieder sehr und überhaupt viel zu spät ins Bett kam, war mir die Zeit mit den Mädels sehr wichtig.

 

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Immer wieder hatte ich am Freitag mit meiner Mama hin und her-geschrieben, weil sie die Kinder während der Hochzeit haben sollte. Wir überlegten, ob sie Freitag Abend oder Samstag Morgen zu meinen Eltern gebracht werden sollten.

 

Samstag, 19. März

Ich konnte endlich ein bißchen ausschlafen!
Mein liebster Mann nahm die Kinder mit in die Küche und machte Pancakes für alle. Ich packte schnell einen Rucksack für die Jungs, denn Opa hatte einen Treffpunkt ausgesucht, zu dem jeder von uns nur 20 Min. fahren musste. Papa setzte die Kinder ins Auto und brachte sie weg – ich wusste, dass wieder so ein Abschied nicht leicht fallen würde und hatte keine Kraft mehr. Papa kann das besser. Diese zwei Stunden am Samstag Morgen waren die einzigen, in denen ich mal mit meinen beiden Gästinnen quatschen konnten. Wir hatten uns in den vergangenen Tagen erfolgreich verpasst.
Ich zog mich dann hochzeitlich an, steckte mir die Haare hoch und verschwand mit Mann und Schwester in die Kirche. Es war kühl, aber sonnig und es war ein sehr schönes Fest.
Unsere Kinder feierten währenddessen bei Oma und Opa mit einem großen Teil der Verwandtschaft eine Silberhochzeit und hatten einen schönen Nachmittag.
Zwischen dem Ende der Trauung und dem Beginn der Abendfeier gab es auf unserer Hochzeitsfeier über zwei Stunden Pause. Und weil die Kirche ja nur wenige Minuten von unserem Zuhause entfernt ist, verließen wir die Feier und  machten tatsächlich einen Mittagsschlaf. Komisch und verrückt, aber so gut und wichtig.
Wir genoßen das Feiern und Essen und Reden mit Freunden und fielen kurz nach Mitternacht ins Bett.

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Sonntag, 20. März

Ein Sonntag Morgen ohne Kinder ist schön ruhig und so konnten wir wieder ein bißchen ausschlafen. Im Gottesdienst wurden dann sowohl das Ende und die Erfolge der Flüchtlingswoche, als auch die Reste des Hochzeitsessens gefeiert, was sehr schön war. Die Amerika-Besucher wurden schweren Herzens verabschiedet. Wir konnten viele Gottesdienstbesucher mit einem spontanen Mittag überraschen und nahmen Hochzeitstorte und leckere Desserts mit nachhause.
Meine Schwester kümmerte sich wieder darum, dass eine schöne 6 mit Fotos an die Tür geklebt wurde.
Meine komplette Familie sollte am Nachmittag zum Feiern beider Geburtstage kommen und so packte ich Emilians Geschenke schon ein und bereitete seinen Tisch vor. Gegen 15.00 Uhr kamen dann die Jungs mit der Familie und daraus wurde ein wuseliger, schöner Nachmittag. Wir packten Geschenke aus, probierten gleich und lasen vor. Liam zeigte seine Geschenke, es gab Kuchen und Käse-Fondue, Kaffee und Wein.

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Familien-Feier-Gewusel

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Liams neue Seifenblasen-Maschine

Als wir die Jungs kurz nach 20:00 Uhr in die Betten brachten, war wenig Zeit für Geburtstagsvorbereitungen. Aber es ging den Kindern gut so und ich verabschiedete mich einfach von ein paar meiner Plänen. Den Polizei-Tisch und die 6 Luftballons in Ampelfarben bereitete ich aber vor und sogar die dreifarbige Götterspeise stellte ich vor dem Schlafen gehen noch schnell in den Kühlschrank.

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Montag, 21. März

Als der Wecker klingelte, drehte ich mich zu meinem Mann um und sagte: „Vor sechs Jahren sind wir Eltern geworden!“ Kaum zu glauben.

Wir wollten Emilian kurz vor 7:00 Uhr mit unserem Liedchen wecken, aber er saß schon komplett angezogen vor seinem Bett und schnallte sich gerade seinen neuen Forscher-Gürtel um. Mein großer Junge!
Emilian würde heute nicht in die Kita gehen und ich war sehr froh darüber. Weder am Freitag, noch am Samstag hätte ich Zeit gehabt, mich um das Frühstück für die Kita-Kinder zu kümmern.
Liam und ich setzten uns also auf die Fahrräder und ich brachte ihn in die Gruppe und mich ins Büro. Obwohl mir das Abschalten schwer fiel, tat es doch gut, mal vier Stunden nicht an Küche, Kuchen, Kindergeburtstag zu denken!
Auf dem Weg nachhause würde ich richtig nass und ich kam mit ziemlich schlechter Laune zuhause an. Es gab aber frisches warmes Essen mit Resten aus unserer getesteten Bio-Kiste und eine kurze ruhige Mittagspause. Wir räumten das Wohnzimmer auf, mein Mann besprach mit unserer Freundin, der „Komplizin“, die letzten Infos zur geplanten Schatzsuche und dann klingelte es an der Tür.
Die drei verkleideten Polizei-Gäste kamen fröhlich nacheinander an und verzogen sich ins Kinderzimmer, sodass wir Eltern tatsächlich in Ruhe einen Kaffee trinken konnten.
Als die Meute dann an den Kindertisch kam, verabschiedeten sich die anderen Eltern und wir fielen über Ampel-Götterspeise und leckeren Kuchen her.
Zwischen den Regenschauern ging es auf Diebes-Jagd und die Runde um den Block hat den kleinen Polizisten richtig Spaß gemacht!
Emilian hätte sich am liebsten mit der neuen Lego-Box zurückgezogen, aber Papas Pizza konnte ihn nochmal ablenken. Alle Jungs durften selbst ihre Pizza kneten, ausrollen, formen und belegen.

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Die Mamas und Papas, die zum Abholen kamen, wurden mehr oder weniger freundlich begrüßt und durften die Pizzen probieren. Gegen 19:00 Uhr kehrte Ruhe ein, aber der Zustand der Küche und des Wohnzimmers ließ nicht wirklich Ruhe zu.
Ich wusste nicht, womit ich beginnen sollte.
Zuerst schickte ich Papa und Liam nochmal los, um Joghurt für Emilians Gruppen-Frühstück zu holen. Emilian baute Lego und ich räumte auf. Küche, Wohnzimmer, Kinderzimmer.
Papa brachte die Jungs ins Bett und ich schnappte mir den Staubsauger. Das war so notwendig!
Mit letzter Kraft richtete ich das Wohnzimmer wieder her, die Küche wurde geputzt und mein Mann nahm mir die Muffins ab und kümmerte sich um den Teig.

 

Jetzt sind die Muffins fertig und auch endlich dieser Blog-Eintrag! Leider ist es wieder spät, aber morgen habe ich frei und das werde ich auch feiern. Kein Büro, sondern Frühstück mit dem Mann oder sonstwas. Diese überstandenen Tage sind für mich wirklich ein Grund zum Feiern! Es geht uns allen gut, meine Pläne sind aufgegangen und auch alle anderen Termine drumherum konnten wir erfolgreich wahrnehmen. Wir haben es geschafft!

Am Mittwoch gibt es noch eine letzte Feier mit den Cousinen und Oma und Opa und dann freuen wir uns auf freie, sonnige Oster-Familien-Tage!

Der nächste große Punkt auf der to do Liste ist mein Geburtstag. In jedem Jahr der krönende Abschied unseres Geburtstags-Marathons und ein Frühlingsfest. Und da geht es dann nur um mich 🙂

 

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Deutsch-Unterricht im Flüchtlingsheim

Ich war heute mit einer Freundin verabredet, um mal wieder die Kinder in der Notunterkunft zu betreuen. Von 10:00 – 11:30 und von 16:00 bis 17:30 jeweils wird Kinderbetreuung und Deutschunterricht angeboten. Erste Schüler werden jetzt eingeschult, bekommen Nachhilfe und die Kleineren werden eben betreut.

Der Kinderraum war voll.
Voll mit kaputten Spielsachen, Müll und Puzzleteilen. Die Farbe des Teppichs konnte unter den Puzzleteilen kaum noch erkannt werden. (Bitte spendet keine Puzzle mehr!)
Kinder waren allerdings nicht im Raum, scheinbar noch auf ihren Zimmern. Zusammen mit der Pförtnerin wunderten und ärgerten wir uns kurz, dann räumte sie kurzerhand auf und wir gingen nach nebenan, wo gerade der Unterricht begann.

Viele Personen unterrichten inzwischen regelmäßig, fast täglich. Meist sind es pensionierte und passionierte Lehrer, würde ich sagen. Jeder von ihnen hat so seine Rituale, Arbeitsmittel und Schüler. Einer stellt die Stühle im Halbkreis um sich herum, der andere setzt alle gegenüber. Einer bringt Hefte und Bücher mit, der nächste hat nur leeres Papier und Bleistifte.

Nach und nach kamen fast ausschließlich Männer in den Raum, es waren heute überraschend viele. Wir setzten uns zu vier Männern an den Tisch und fingen einfach an.

Sie hatten bereits einen ausgefüllten Zettel vor sich liegen, wahrscheinlich vom letzten Unterricht.
„Ich heiße…“
„Ich komme aus…“
„Jetzt wohne ich in…“
„Ich bin hier mit…“
Alle vier kamen aus Damaskus, waren Freunde und sie waren so stolz auf das, was sie konnten. Während meine Freundin mit drei Männern ganze Sätze, die man zBspl. beim Arzt braucht, lernte, ging ich mit einem älteren Mann die Körperteile, Zahlen und Tageszeiten durch.

Ohne meine Übersetzungs-App hätten wir große Schwierigkeiten gehabt.
Ich wählte ein Wort aus und zeigte ihm die Übersetzung. Dann schrieb er das Wort erst in seiner Sprache auf, dann in unseren Buchstaben und dann die Lautschrift in seiner Sprache. Genauso hatte ich die Lautschrift seiner Wörter in meinen Buchstaben auf dem Display. Ab und zu malte er noch eine Erklärung dazu. Obwohl er völlig andere Buchstaben, oder ich glaube, es sind eigentlich Silben, schrieb und dazu noch von rechts nach links, lernte er unsere Buchstaben schnell. Es klappte gut.

Er freute sich, dass er bei den Zahlen ab dreizehn die Wörter drei und zehn, vier und zehn… wieder erkannte. Bei der siebzehn wunderte er sich, wo denn das „en“ von sieben blieb.

Das Wetter und die Jahreszeiten lernten wir auch. Die Aussprache von zBpsl. „Herbst“ musste er lange üben.

Als ich „Gute Nacht“ und „Guten Tag“ aufschrieb, fragte er, wo das „n“ bei „Gute Nacht“ sein. Tja, kein n. Schwer zu erklären.

Auf seiner Tabelle war neben dem Wort „Welt“ ein dunkler Kreis (zu dunkel kopiert) zu sehen und er fragte immer wieder nach diesem Wort. Er zeigte in den Himmel, ich zeigte das Wort „Welt“ in der App, aber er schüttelte den Kopf. Er zeigt in den Himmel und formte einen Kreis mit der Hand. Ich zeigte das Wort „Mond“. Auch falsch. Er zeigte auf seinen Mund. Ah! Ich schrieb ihm die Wörter „Mund“ und „Mond“ auf. Als wir mit der App kontrollieren, war er immernoch nicht zufrieden. Er lächelte und zeigte auch mich. Wir probierten Planet, Sonne, Stern, Wolke… keine Ahnung. Ich malte die Mondsichel neben das Wort „Mond“ und er machte einen Kreis daraus. Aaaah, Vollmond! Ja mensch, das war es, was er suchte!

Wir redeten und schrieben, die Jungs wurden immer kreativer. Als sie feststellten, dass ich auch eine Übersetzungsfunktion mit Mikro hatte, sprachen sie Sätze dort rein und zeigten mir die deutschen Worte. Es dauerte ein bißchen, aber nach und nach kam heraus, dass sie „Ich möchte eine Freundin.“ und „Kann ich deine Telefonnummer haben?“ sagen wollten.
So so.
Als die beiden jüngeren Kerle dann anfingen, Fotos von meiner Freundin zu machen, fingen wir an, uns zu verabschieden. Sie hatten viel gelernt und geschrieben. Heute Nachmittag wird mein Mann mit Freunden da sein.

Am Freitag werde ich wieder da sein, um bei einem Kinder-Bücher-Projekt mitzumachen.

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