mamasbusiness

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Happy 5 Monate.. und Happy Midsommar!

Zuerst:
Ich habe den Eindruck, dass nicht alle von euch den Link zu den Fotos unserer Familien-Reportage gut gefunden haben.
Hier ist der nochmal: Klick!
Ihr sollt euch gern die Fotos angucken!

Und dann wollte ich ja eigentlich mal ein bißchen von Jari erzählen. Der kleine Fratz ist nämlich heute genau 5 Monate alt. Und er ist das süßeste Baby der Welt!

Aber dann kam Midsommar.
Mir war schon klar, dass heute Midsommar ist. Sommersonnenwende. Ich liebe es!
Ob meine Liebe zu IKEA, mein Name und mein Schwedenhaus etwas damit zu tun haben?
Heute feiere ich und denke mitnichten an kürzer werdende Tage, an Weihnachten oder Winter. Pfui!

Irgendwann möchte ich Midsommar mal ganz toll und feierlich feiern – so wie Frau Frische Brise!
Das sieht sooo toll aus!
Das macht sie mit vier Kindern und dem Augustbaby im Bauch!!!

Aber wir hatten heute anderes Programm. Vielleicht feiere ich im Jahr 2019… wenn der 21. Juni ein Freitag ist. Wer ist dabei?

Mit meinen drei Jungs und zwei Gast-Mädchen haben wir uns heute einen richtig schönen Tag gemacht. Wir hatten Wasser im Planschbecken und aus dem Sprenger, wir hatten Melone und Saft, Kirschen vom Baum und sehr viel Spaß.

Als der Besuch am Abend weg war und wir ein bißchen aufräumten, kam mein Mann aus dem Büro. Es war so warm und so hell. Er sagte: „Warum haben wir kein Zelt??? Wir könnten draussen schlafen!“

Ich sagte: „Wir haben ein Zelt auf dem Dachboden…“
Innerhalb von Minuten war das Ding unten und im Garten aufgebaut.

Und das ist jetzt der Grund, warum Jari heute auf dem Blog ein bißchen zu kurz kommen wird. Das ist das Leben der dritten Kinder.. glaubt mir.

Erst hieß es, Papa schläft mit Emilian draussen und Liam darf mit Jari und Mama im Bett schlafen. Was Liam normalerweise wirklich glücklich gemacht hätte, ließ ihn heute völlig kalt. Also war er natürlich mit von der Partie.

Sie waren so aufgeregt. Und so glücklich. Und hilfsbereit. Und wieder innerhalb  von Minuten hatten sie ihre Schlafanzüge an und ihre Betten im Zelt perfekt vorbereitet. Samt Kuscheltieren und „Notwehr-Knüppel“.

Der Trick, irgendwas anders/verrückt zu machen, wenn die alltäglichen Rituale allen auf die Nerven gehen und wir Eltern nur noch in Endlosschleife reden, funktioniert. Sowas von. Ob es um das Frühstück unterm Tisch, das Mittag auf der Wiese oder eben die Nacht im Garten geht – es funktioniert!

Ich bereitete das Essen vor und flitzte immer mal wieder in den Garten, um ein Foto zu machen oder ein strahlendes Kind anzusehen. Sie konnten kaum in Ruhe essen, ständig mussten sie reden und vor Glück quietschen.

Als die Zähne geputzt waren, nahm ich Jari mit ins Zelt und gab ihm dort seine Flasche. Es war sehr kuschelig und wir hätten locker zu fünft dort schlafen können. Liam saß hinter der Gardine und sagte: „Wann kommt denn endlich mal ein Tier?“

Ganz süß fanden Kuscheltiere, Kissen und Decken ihre Plätze und als ich ein Buch vorlas, kehrte laaangsam ein bißchen Ruhe ein. Papa legte sich dann zu den Jungs, bis sie eingeschlafen waren und jetzt gerade ist er wieder zu ihnen ins Bett gegangen.
Der Abend ist also plötzlich sehr ruhig für mich und die Nacht…
Ich bin gespannt und werde euch berichten.

Und was ist mit Jari?

* Jari ist entspannt, zufrieden und pflegeleicht. Es gibt wirklich ehrlich kaum Momente, in denen er mich nervt oder ich nicht mehr kann.

* Die großen Brüder lieben Jari und er liebt sie. Er lächelt jeden Menschen an – aber nur, wenn er seine Brüder anstrahlt, funkeln seine Augen wie verrückt. Jeder der beiden Großen hat so seine Tricks, Jari zum Lachen zu bringen und es funktioniert. Sie können ihn ablenken, trösten, den Nuckel geben und auch mal die Flasche halten – und natürlich trägt das dazu bei, dass ich so entspannt sein kann.

Ratet, wer ihm die Sonnenbrille aufgesetzt hat?

* Jari schläft mehrmals tagsüber und auch der Schlaf in der Nacht wird langsam länger. Einmal oder zweimal braucht er kurz einen Schluck oder den Schnuller und dann schläft er weiter. Er liebt es, auf der Seite einzuschlafen und nach kurzer Zeit legt er sich auf den Bauch.

* Er weint nur, wenn er müde ist oder Hunger hat. Langes Schreien, bei dem wir nicht wissen, was sein könnte, kennen wir nicht mehr. Am allerliebsten ist er aufrecht auf dem Schoß oder an der Schulter, damit er sehen kann, was passiert. Dann sieht er staunend mit großen Augen zu.
In seinem Wipper juchzt er laut, plappert vor sich hin und lutscht vergnügt an seinen Zehen.

* Wir wissen genau, wo er kitzelig ist und er schreit vor Freude, wenn wir ihn bespaßen. Kleine Versteck-Spielchen oder wiederholte Geräusche bringen ihn sehr zum Lachen.

* Ich habe aufgehört, abzupumpen. Mit 5 Monaten ist das okay für mich. Wäre Jari mein erstes Kind, wäre ich von diesem Durcheinander sehr aufgewühlt. Wenn ich daran denke, dass das meine allerletzten Still-Momente gewesen sein könnten, macht mich das schon traurig. Aber ich sehe, wie gut es ihm geht und so geht es mir auch gut.

* Ab und zu versuchen wir, ihm erste Breie zu geben. Boah, ich habe vergessen, wie langsam das geht und wie sehr 10 Gramm Brei fünf Personen und eine Küche verunstalten können. Aber es macht Spaß und Liam kann es kaum abwarten, ihn richtig zu füttern.

* Bei den großen Jungs habe ich so mit 6 Monaten die ersten Breie versucht und dann doch noch länger gewartet, weil sie noch nicht so weit waren. Jari schaut interessiert zu, wenn wir essen – aber er spielt eher mit dem Essen. Vielleicht warten wir einfach noch ein paar Wochen ab. Am liebsten war mir immer die Kürbiszeit zur Brei-Einführung. (Aber wir wollten ja heut nicht vom Herbst reden!)

* Es ist aber gut zu wissen, dass er nach und nach andere Nahrung bekommen darf. Ich bin da ganz entspannt.
Erstens gibt es da die neue Mode, wie meine Hebamme es nennt: „Baby Led Weaning“ Dabei geht es um Beikosteinführung ohne Füttern. Die Baby bekommen alles selbst in die Hand. Das machen wir, wenn Jari gut im Hochstuhl sitzen kann.
Zweitens ist man inzwischen wohl nicht mehr ganz so streng mit dem „nacheinander einführen der Lebensmittel“. Wir geben hier mal ein Hauch Löffel Banane, Jari darf an der Melone lecken, wir machen Zwieback mit Apfelsaft und essen 98% selbst auf. Wir probieren einfach.
Drittens sehe ich, wie die anderen beiden groß geworden sind. Sie sind sportlich, drahtig, sie mäkeln nicht beim Essen, sie haben keine Allergien/Unverträglichkeiten und sind hoffentlich gute Vorbilder für Jari.

* Die erste Impfung hat er ohne Fieber/Durchfall/sonstige Probleme überstanden. Er ist altersgemäß entwickelt und fängt an, sich zu drehen und das Krabbeln vorzubereiten. Alles, was ihm vor die Nase kommt – sei es ein Spielzeug, ein Löffel oder sein eigener Fuß – wird geschnappt und in den Mund gesteckt.

* Er nimmt gut und weiter zu – und so langsam bemerke ich Wehwehchen, die ich so vier Jahre nicht hatte. Das schmerzende Handgelenk, die verspannte Schulter, die Augenringe, der Haarausfall, der weiche Bauch.. meine Güte, das hatte ich alles vergessen.

* Es gibt weit und breit keine Anzeichen von ersten Zähnen. Jari hat keine Bauchschmerzen. Er schläft sehr gut ein. Er lässt sich gut ablegen, wenn er wach ist – in den Kinderwagen, den Wipper, auf die Couch, auf die Wiese, in Liams Bett…. Das liegt wohl auch wieder am trubeligen interessanten Umfeld.

* Ich trage ihn aber auch sehr gern mit mir rum, wenn es geht. Denn er ist das Baby, das ich am meisten genieße. Ich sauge den Babyduft in mich auf. Ich beiße in die kleinen Wangen. Ich streiche über seinen weichen Kopf. Ich wippe ihn, bis er einschläft und lasse ihn auf meinem Bauch weiterschlafen. So lang es geht, darf er mein Baby bleiben.

Ich bin wirklich sehr glücklich, dass Jari perfekt in unsere Familie passt. Einerseits ist er einfach neben uns dabei – und andererseits dreht sich irgendwie alles um ihn.
Ein tolles Baby haben wir da bekommen!

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Zwischenstand aus der MilchBar

Ich melde mich mal mit einem Update.
Vielleicht merkt ihr an der Stille auf dem Blog, dass uns zur Zeit andere Dinge beschäftigen. Und mit Stillen hat das im echten Leben leider nicht mehr viel zu tun.

Jari nimmt ordentlich zu, er bekommt Speck-Beinchen und einen faltigen Po. Er trinkt an machen Tagen mehr als 800ml – falls das interessiert. Mamas, die stillen, haben ja mit Mililitern nicht so viel zu tun. Seid froh!

Es ist nämlich so, dass ich immernoch keine Flaschen-Mama bin und das auch nicht sein werde. Nur ist das meinem Sohn egal. Ziemlich.
Er hat seit Tagen nicht mehr an der Brust getrunken – und ich lasse ihn jetzt. Was bringt es ihm und uns, wenn er höchstens versehentlich ein paar Tropfen Muttermilch schluckt – dabei aber brüllt und weint, bis ich brülle und weine.
Für eine klassische „Saugverwirrung“ ist Jari eigentlich schon zu alt und das sollte ausserdem kein Problem sein, weil ich immer mit Stillhütchen gestillt habe.
Wenn ihr also – ungeachtet dessen – noch einen guten Tipp habt, lese ich mir den gern durch.

Ich habe ziemlich schnell über ein paar logistische Umwege eine Milchpumpe aus der Apotheke leihen können. Jetzt ziehe ich mich mehrmals am Tag in eine stille Ecke zurück, fauche meine drei großen Männer an, wenn sie gucken kommen, versuche, nicht an einen Kuhstall zu denken – und pumpe meine Milch ab.

Es kommt eine größere Menge dabei heraus, als ich so dachte und ich freue mich über alles, was Jari von mir bekommen kann. Der Rest ist mir egal. Ich habe noch ein paar Hoffnungen, was den Besuch beim Osteopathen betrifft und wenn es sein soll, dass ich Jari noch stillen kann, dann ist es so. Aber wenn nicht, dann nicht.
Jari braucht in der Nacht nur noch eine Flasche und die stelle ich mir abends schon fertig ans Bett. So schlafe ich besser und tiefer, obwohl ich beim Flasche geben wacher sein muss, als beim Stillen. Denn wenn Jari schläft, dann schläft er auch richtig… und liegt nicht halb nuckelnd/halb schlafend neben mir.

Dass das jetzt alles so kam, ist inzwischen okay für uns – aber es hat mich doch überrascht und kurz verunsichert. Ich bin sehr froh, dass Jari jetzt 15 Wochen alt ist. Er hat lange meine Milch bekommen und wir müssen nicht um jedes Gramm kämpfen. Nicht mehr. Morgen Abend gibt es einen neuen Gewichtsstand!

Als wir heute Mittag nachhause kamen, fiel der Strom aus. Bei uns, unseren Nachbarn und sämtlichen Strassen rings um uns herum. Nach den ersten lustigen Momenten, in denen sich einige Nachbarn sofort zum Quatschen auf der Strasse trafen und mehrere Kinder plötzlich wieder in den Gärten spielten, fiel mir mit einem Schreck ein: Ich kann Jari nicht füttern, wenn wir keinen Strom haben!

Ich kann nicht abpumpen und kein Wasser warm machen!
Vielleicht hätte er sich irgendwann stillen lassen… aber er weint und kämpft sehr dagegen. Die Flaschenmilch läuft ihm nämlich einfach in den Mund, sobald ich ihm die Flasche hinhalte. Und für die Muttermilch muss er sich nicht nur viel mehr anstrengen – er muss auch ein paar Minuten „ansaugen“, bevor überhaupt etwas fließt. Darauf hat der kleine hungrige Jari keine Lust…
Und so packten wir heute Jaris Zeug und unser Mittag, das wir gerade machen wollten und fuhren nach Teltow zu Oma und Opa.

Natürlich hat so eine Flasche auch Vorteile:
Alle können Jari füttern.
Ich kann mich wieder anders anziehen.
Ich müsste nicht mehr so sehr auf meine Ernährung achten.
Wir wissen genau, wieviel Jari trinkt.
Jari hat keine Koliken mehr.
Und ich versuche jetzt, diese Vorteile zu feiern und das zu nutzen. Mal einen Schluck Wein, mal ein längeres Bad, mal schlafen… aber ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn sich auch dieses Baby in den nächsten Monaten noch irgendwie bei Mama stillen lassen würde.

Briefe vom Erstklässler

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Update: Gewichtszunahme

Vielen Dank!

Vielen Dank für eure Reaktionen auf meinen letzten Beitrag! Wir waren wirklich überrascht. Es gab Whatsapp-Nachrichten, Anrufe, die ersten Flaschen-Spenden und Besuche, besorgte E-Mails und beruhigende Kommentare. Wir wissen, dass wir jeden von euch nachts aus dem Bett klingeln und um Hilfe bitten könnten!
Das alles hat uns sehr gut getan.

Am Tag danach wollte ich Liam nur schnell zur Kita bringen, 500m Fußweg! Ich war eine Stunde später wieder zuhause, weil ich hier und da angesprochen wurde und gefragt wurde, wie es uns geht. In der Kita, auf dem Weg und sogar bei Lidl an der Kasse traf ich eine Mama aus der Schule.

Vielen Dank, euch allen Müttern, die durch ähnliche Zeiten gegangen seid oder gerade geht. Wir sind nicht allein!
Euer Zuspruch tut gut.

Vielen Dank unseren Familien und Freunden für euer Nachfragen und an-uns-denken, für eure Gebete für Jari!

Ich bin außerdem wirklich dankbar, dass wir uns keinen einzigen negativen Kommentar wie „Ich hab mir sowas schon gedacht.“ oder „Der ist aber auch wirklich mager.“ durchlesen oder anhören mussten. Danke.

Danke für Freundlichkeit und Rücksicht in „meinem Internet.“

***

Heute Nachmittag war ich auf einem Klassentreffen.
Jari schlief die ganze Zeit in der Manduca. Ich fuhr später nachhause, als geplant und hatte keine Zeit, im Auto zu stillen, weil ich nicht genau wusste, wann die Hebamme bei mir sein würde. Wir tankten noch und ich schrieb ihr, dass ich gegen 19:30 zuhause sein würde.
Erst auf den letzten Metern fing Jari an zu jammern und ich schaffte es, vor der Hebamme da zu sein und ihn ordentlich abzufüllen.

Und so kann ich euch mitteilen, dass Jari schon über 100g zugenommen hat! Tadaa!

Ab sofort braucht er nicht mehr 5-6 Fläschchen am Tag, sondern nur noch 3. Und die machen wir dann aber ein bißchen voller.

Wir haben uns an das Flaschen-Gedöns mit allem Zubehör gut gewöhnt. Ich ziehe es jedoch vor, das zuhause zu machen und plane meinen Tag so. Es war gar nicht so einfach für mich, diese 5-Mal-am-Tag-eine-Flasche-Zeiten einzuhalten. Ich brauchte viel Zeit und Ruhe zum Stillen und die Zeit verging so schnell – aber ich kann weiter stillen! Jari schlief wieder gut – das hat den Rhythmus zusätzlich gesprengt. Ich bin absolut keine Struktur-Freundin. Ich stille nach Bedarf, nicht nach Zeit.
Aber es scheint zu funktionieren. Jari strahlt uns mit seinen rundlicheren Bäckchen an, er strampelt und pupst, er schaut zufrieden und schläft gut. Wir sind sehr glücklich.

Leider wieder nur ein Schlaf-Foto – aber eins mit Bäckchen!!

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Mit Baby im Krankenhaus

Es gibt ja so Dinge, die möchte man als Mutter nicht hören, nicht sehen, nicht entscheiden und nicht erleben. „Bitte gehen Sie heute noch mit Ihrem Baby ins Krankenhaus!“ ist zum Beispiel so ein Satz, den man nicht hören möchte. Gar nicht.

Ich hatte gestern mit Jari einen Termin beim Kinderarzt, um die erste Impfung abzuholen. Die Ärztin betrat das Zimmer, sah Jari dort liegen, bat die Schwester, ihn zu wiegen und dann sagte sie: „Bitte gehen Sie heute noch mit Ihrem Baby ins Krankenhaus!“

Es ist ja kein Geheimnis, dass Jari – und seine Brüder – nicht gerade die Kilos sammeln. Uns war bewusst, dass er sehr klein und leicht für sein Alter ist. Das liegt in der Familie und bei voll-gestillten Babys macht man sich ja auch erstmal keine Sorgen.
Ich möchte betonen, dass wir Jari für altersgerecht entwickelt und gesund und munter halten und ihn keine Sekunde aus den Augen gelassen haben.
Heute hätten wir einen, wahrscheinlich letzten, Kontroll-Termin mit der Hebamme gehabt und wahrscheinlich hätte auch sie festgestellt, dass Jari Gewicht verloren hat. Und auch sie hätte uns, mit ein bißchen weniger Panik, darauf hingewiesen und uns dann beratend zur Seite gestanden.

Die Kinderärztin sah jedenfalls gestern, dass Jari abgenommen hatte und weniger wog, als andere Neugeborene. Und ohne noch viel zu untersuchen, bat sie uns, ins Krankenhaus zu fahren. Sie kennt Jaris Brüder und weiß, dass ich alle gestillt habe. Sie weiß, dass in den Familien keine Schilddrüsen- oder Stoffwechsel-Erkrankungen vorliegen. Nur Gewichtsabnahme ist nicht lustig. Das sah ich auch so.

Noch auf dem Parkplatz telefonierte ich mit der Hebamme. Ich wollte einerseits ihre Meinung, ich wollte, dass sie mich ein bißchen beruhigt und ich wollte, dass sie Bescheid weiß. Ohne meine Hebamme wären die letzten Stunden ganz anders verlaufen.
Sie packte ihre Tasche und kam sofort zu mir. Die Sache mit dem Krankenhaus konnte sie auch nicht ändern, die Kinderärztin hatte uns dort schon angemeldet. Die Hebamme sah auch, dass Jari abgenommen hatte und sie schloß aber ernste Erkrankungen oder einen Organschaden aus. So empfahl sie uns, jetzt doch zuzufüttern.

Wir fuhren zu einem Rossmann und zum allerersten Mal im Leben, zum ersten Mal seit 7 Mama-Jahren stand ich vor dem Regal mit dem Milchpulver. Das kann einen schon gut durcheinander bringen. Die Hebamme hatte mir aber auch da einen Tipp gegeben. Ich kaufte noch eine Flasche und sprang zurück ins Auto.
Wir holten Emilian von der Schule ab, aßen Mittag und bereiteten das erste Fläschchen unseres Lebens vor.

Erfahrene Flaschen-Mütter werden jetzt lachen, aber ich habe mir jedes Wort auf der großen Packung durchgelesen. Wir testeten ordentlich die Temperatur und hielten Jari die Flasche hin. Er zögerte eine halbe Sekunde – und dann trank er die Flasche in einem Zug leer!

Das war ein komischer Moment für mich.
Einerseits war ich so dankbar für diese Milch und ich wusste, dass er nun eine ordentliche Portion warmer Mich im Bauch hatte. Aber andererseits…
Habe ich mein Kind hungern lassen?
Waren seine Bauchschmerzen nie Koliken, sondern immer Hunger?
Warum habe ich nicht gemerkt, dass er so abgenommen hat?

Nachdem er die Flasche leer getrunken hatte, lag Jari in seinem Wipper und schaute einfach nur ganz ruhig und zufrieden vor sich hin. Wir packten ein paar Sachen fürs Krankenhaus und fuhren los.

Nach der Anmeldung warteten wir eine ganze Weile. Jari schlief und ich las den großen Jungs vor. Als mein Mann gerade mit den beiden fahren wollte, wurden wir aufgerufen. Jari wurde ein bißchen untersucht, er bekam einen Beutel in die Windel geklebt, damit sein Urin untersucht werden konnte, mir wurden ein paar Fragen gestellt und dann sollte ich auf die Oberärztin warten.

Vorher machte ich mir Sorgen, wie Jari die Untersuchungen verkraften würde. Es war von Blutabnahme und anderen Kontrollen die Rede. Ich nahm mir vor, ganz selbstbewusst immer an seiner Seite zu bleiben. Aber die Sorgen waren unbegründet. Ich durfte Jari tragen und stillen, wann ich wollte. Ich durfte ihn an- und ausziehen und ständig überwachen.
Weil wir doch über Nacht bleiben sollten und die ganzen Untersuchungen wahrscheinlich Tage dauern würden, fuhr mein Mann dann nachhause.

Nach über einer Stunde kam kurz nach 17:00 Uhr eine freundliche Ärztin. Sie sah Jari kurz an, überprüfte die Aufzeichnungen des ersten Arztes und sagte: „Stillen Sie? Wahrscheinlich kriegt er nicht genug. Wir machen mal eine Stillprobe und wiegen ihn vor und nach dem Stillen und dann können wir uns die anderen großen Untersuchungen vielleicht sparen…“

Sie telefonierte mit der Kinderstation, bat um ein Zimmer mit Beistellbettchen und brachte mich höchstpersönlich nach oben, statt einen Krankentransport zu rufen. Das führte zwar dazu, dass keine der Schwestern wusste, dass und warum ich da war – aber ich wurde von allen sehr freundlich behandelt.

Ich muss ja sagen: Dieses Gefühl, mit einem Baby im Krankenhaus zu sein, ist nicht schön.
Das kalte, spärlich eingerichtete Zimmer wurde zwar schön vom Sonnenlicht geflutet – aber irgendwie war ich einsam (mein Buch lag im Auto) und angespannt und verunsichert. Jaris Weinen hallte schrecklich in dem Raum, ich hatte keine Hausschuhe und konnte nicht alleine aufs Klo.
Später bekam ich Krankenhaus-Abendbrot und zwei Flaschen Wasser, eine kurze Einweisung in die Station und dann war ich alleine. Ich stillte Jari, schrieb an die Familie, aß meine Brote und stellte mir vor, ich wäre im Hotel…
Die Hebamme rief wieder an und sagte, dass sie am nächsten Morgen vorbeikommen würde. Sie sagte, wir sollten versuchen, uns zu entlassen.

Mein Mann fragte, was er bringen sollte und kam etwas später mit einer Tasche und den Jungs vorbei. Er fragte nach den neuesten Entwicklungen: Nichts war bis dahin passiert.
Mein Mann mag Krankenhäuser noch weniger als ich und diese Ungewissheit erst Recht nicht. Und wo mein Instinkt gerade etwas verunsichert war, sah er viel klarer, dass wir hier nicht sein müssten, schon gar nicht über Nacht. Er suchte dann die Schwestern und tatsächlich wussten sie gar nichts von der Stillprobe. Das änderte sein Bild von Krankenhäusern natürlich nicht.
Dieses Untergewicht liegt in der Familie und mehrere Ärzte und Schwestern hatten uns bestätigt, dass dem Kind nichts fehlt – ausser Futter. Auch die letzten beiden Schwestern, mit denen wir sprachen, dachten so. Es stellte sich heraus, dass die Ärztin gern 24 Stunden lang das Stillen beobachtet hätte. So lange wollte ich nun wirklich nicht dort bleiben – Hotel hin oder her.

Wir machten eine Stillprobe. Es war 20:00 Uhr und die Kinder lagen auf meinem Bett und schauten Kinderfernsehen ohne Ton. Als Liam schon wieder aufs Klo musste (er liebte dieses große Klo nebenan), bat er uns, den Film anzuhalten. Das sind Kinder, die kein Fernsehen kennen.

Ich fragte mich, wie es wohl sein muss, länger, viel länger mit Kleinkind im Krankenhaus zu sein. Immer wieder warten und hoffen und Zeit totschlagen. Die Keime lauern überall und alles ist so fremd… die Geschwister warten zuhause und müssen Mama besuchen kommen.

Nachdem das Wiegen ergeben hatte, wie wenig Jari getrunken hatte, entließen wir uns gegen ärztlichen Rat. Wir sagten, dass die Hebamme uns gut betreute, dass wir bereits Flaschennahrung gekauft hätten und dass wir sofort wiederkommen würden, sollte Jari weiter abnehmen.

Er trank am Abend genauso schnell das zweite Fläschchen leer und die anderen drei Männer der Familie freuten sich, nun auch „stillen“ zu dürfen. Fünf bis sechs Mal am Tag bekommt er eine Milchflasche nach dem Stillen und die Brüder reißen sich darum, sie für ihn zu halten.

Und ich war so froh, heute Morgen in meinem eigene Bett aufzuwachen!

Liam durfte Jari heute Morgen die Flasche geben und er war so stolz. Dann blieb Jari bei Papa und ich brachte Liam in die Kita. Jari wirkte zufrieden. Er lächelt wieder öfter, liegt ruhig da und schaut uns zu. Das ging vorher auch, aber nicht immer so einfach. Sein Bauch wird langsam runder und er sieht gut aus.

Ich werde weiter stillen. Das möchte ich unbedingt. Jari bekommt die Flasche erst nach dem Stillen.
So glücklich und dankbar ich für die angerührte Milch bin – ich finde es komisch und unbekannt. Ich werde jetzt keine Grundsatzdiskussion beginnen. Stillmütter finden das mit den Fläschchen aufwändig und Flaschenmamas können sich nicht an das Stillen gewöhnen. So wird es wohl immer sein. Wir kennen jetzt ein bisschen beides. Wir messen und schütteln und kochen ab – und genauso setze ich mich auch einfach hin und stile. Für die Brüder ist die Flasche ganz toll, und nachts im Bett bin ich dann glücklich, dass ich stillen kann.

Die Hebamme notierte heute Morgen schon eine ordentliche Gewichtszunahme. Sie gab mir außerdem so etwas wie eine Magensonde, mit der Jari beim Stillen die Flasche leer trinken kann. Sie sagt, ich soll Möhrensaft und Kräuterblutsaft (und überhaupt genug) trinken, um das Aufpäppeln zu unterstützen. Am Samstag Abend kommt sie wieder.

Ich bin froh, dass Jari „schon“ 3 Monate alt ist und wir nicht mehr um sein Überleben fürchten müssen, sozusagen. In ein paar Monaten könnten wir theoretisch schon mit den Breien anfangen. Ich bin froh, dass dieser Schreck gestern genauso schnell vorbei war, wie er angefangen hat. So lange es geht, stille ich ihn und genieße das kleine warme Bündel neben mir im Bett und bin sehr froh, dass es ihm gut geht!

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Grüße von der Couch

So ganz brav, wie das hier klingt, halte ich meine Ruhe nicht ein. Eher, wie eine Mama über das Wochenbett sagte: „Eine Woche im Bett, eine Woche am Bett und eine Woche ums Bett.“ , oder so.

Der selbstgenähte Schlafsack von meiner Mama.
Wie klein der uns vor der Geburt vorkam…

Mir geht es sehr gut.
Donnerstag Abend war ich einmal kurz mit den großen Jungs draußen. Das war schön, aber irgendwie auch komisch. So ohne Bauch und Baby im Auto und dann bei Lidl eine kurze Reizüberflutung.

Am Freitag war ich dann vormittags draußen. Die Sonne schien. Ich habe Emilian überrascht und ihn von der Schule abgeholt. Ich traf fast alle meine Mama-Freundinnen auf dem Schulhof. Weil ich Jari nur kurz aus dem Autositz genommen hatte und ihn im Sitzsack wie ein kleines blaues Bündel auf dem Arm trug, sahen sie uns schon von Weitem. Haach, war das schön. Die Mamas, die nicht glauben konnten, wie klein so ein Baby ist. Die leuchtenden Augen der Kinder aus Emilians Klasse. Und der stolze Emilian.
Später ging ich noch zum Klassenraum, um Emilians Lehrerin zu besuchen. Sie kam uns entgegen und freute sich so, uns zu sehen. Sie hielt Jari ein paar Minuten und wir quatschten kurz so von Mutter zu Mutter.
Ich brachte Emilian nachhause, stillte eine Runde und fuhr mit Jari zum Kinderarzt, zur U2. Bei dm holte ich kurz neue Windeln, traf wieder eine Mama-Freundin und genoß es so sehr, mit meinem Baby im Sonnenschein in meinem Kiez unterwegs zu sein. Eine andere Kundin schaute in den Autositz und fragte, wie alt das Baby sei. „Waas, 6 Tage? Und da laufen Sie hier schon rum?“
Ich fuhr weiter zur Kita, um Liam abzuholen. In Emilians Gruppe besuchte ich schnell seine Erzieherinnen. Sie hatten alle so aufs Baby gewartet und freuten sich sehr über unseren Besuch. Und sie hören auch immer gern Neuigkeiten aus der Schule von „ihrem“ Emilian. Wir haben die Erzieherinnen echt gern und Jari hat seinen Platz dort in 3 Jahren schon ziemlich sicher.

Durch die Sonne fuhren wir nachhause und ich hatte meinen „sozialen Tank“ wieder voll aufgefüllt. Wir haben täglich Besuch und Freunde, die Mittag bringen, aber dieses echte „draussen sein“ und Freunde treffen und vertraute Wege gehen und die Blicke der Leute auf meinem Bündel – ich hab es sehr genossen!

Das Bündel

Am Freitag Abend hatten wir dann wieder Besuch und die Müdigkeit am Abend war fast das Einzige, was mich noch daran erinnerte, dass irgendwas Außergewöhnliches passiert war. Mein Kopf kam nicht ganz hinterher, denn mir ging es wirklich so gut. Sämtliche Schmerzen und Wehwehchen waren inzwischen verschwunden. Das Baby schlief viel und ich konnte gut stillen… es war irgendwie so unwirklich, denn immerhin hatte ich ein Baby geboren.

Am Samstag und Sonntag wollten wir pünktlich um 9:00 Uhr in der Kirche sein, um Veranstaltungen zu besuchen – und es klappte. Ich fing vor 7:00 Uhr an, aber wir hatten drei Kinder zur richtigen Zeit satt und angezogen und aus dem Haus. Trotz Kälte und Eis auf den Autoscheiben. (Ich freue mich auf den Frühling!!)

Am Samstag war ich abends alleine mit den Jungs und wir alle waren gleichzeitig müde und hungrig. Ich musste die Großen irgendwie ins Bett bringen und gleichzeitig stillen. Dann standen da zwei Wäschekörbe und die Küche war nicht aufgeräumt. Das Kinderzimmer sah fürchterlich aus, ich hätte gern geduscht und die obere Etage hätte mal gesaugt werden können. Und es war fast 22:00 Uhr. Ich war so müde. Und überfordert. Und alles, was ich nicht geschafft hatte und lange nicht schaffen werde, brach über mich herein. Bis der Mann kam, sortierte ich ein bißchen Wäsche und kramte meine Umstandsmode aus dem Schrank. Ganz sicher nicht Punkt 1 auf der Prioritätenliste, aber was geschafft ist, ist geschafft. Und im Kopf komme ich so mehr und mehr in der neuen Lebensphse an.

Der erste Gottesdienst zu fünft klappte wunderbar. Mein Baby zeigte sich von der besten Seite und den Sonntagnachmittag verbrachten wir wieder mit Freunden. Wir spielten, aßen Mittag von meiner Schwägerin, tranken Kaffee und quatschten. Ich hatte das Gefühl, am ganzen Sonntag meine Augen nicht vollständig aufzubekommen – und am Montag schlief ich bis 11:00 Uhr. Wie ein Stein.

Wie gut, dass wir jetzt Winterferien haben!
Die Großen spielen UNO und Duplo im Schlafanzug, hören Hörspiele, spielen im Schnee und genießen das nichts-tun. Heute sind sie mit meiner Schwester in Berlin unterwegs und morgen wollen wir einen Ausflug zum Erdbeerhof machen.
Die Hebamme besucht uns täglich und Jari arbeitet sich tapfer in Richtung Geburtsgewicht. Ungefähr 200g fehlen noch. Die kleinen, zarten Kinder – das sind meine Jungs!

Zartheit

Ich zwinge mich dazu, die Arbeit zu ignorieren und wirklich nur das zu tun, was ich schaffe. Erstens bleibt mir so viel mehr Zeit, um mit den Jungs zu sein und zweitens wird die Arbeit doch nur mehr, wenn ich einmal anfange. Hallo? Ich wohne mit vier Männern in einem Haus. Wen interessiert da mein Anspruch? Leider niemand. Und es gibt eine Grauzone, die okay sein muss und in der ich mich bewegen muss, bevor das Haus verdreckt. Die Zone muss es einfach geben.

Diese „Haaach, ist das Leben nicht wunderschön???“-Phasen und die „Oh Gott, ich kann nicht mehr. Wie soll ich das alles jemals schaffen???“-Phasen werden sich schön abwechseln, das weiß ich inzwischen. Und ich weiß, dass es bestimmt mal noch viel schlimmer und anstrengender wird und dass es auch wieder viel besser werden wird.
In allen Zeiten möchte ich das Lachen nicht verlieren, möchte mich nicht verlieren und Zweisamkeit mit meinem Mann nicht verlieren.

Nach der ersten Woche mit Baby haben wir beide gestern zum ersten Mal zu zweit gefrühstückt und festgestellt, wie wir uns vermisst haben. Inmitten aller dieser Kinder. Wir rufen uns „Kannst du mal schnell..“ und „Halt mal kurz.“ zu. Die SMS, die wir uns schicken, sind Einkaufszettel oder dm-Coupons zum Ausdrucken. Sobald ich mich nachts zu meinem Mann drehe, knatscht der kleine Mensch auf der anderen Seite. Wir funktionieren sehr gut zu zweit, wir ergänzen uns perfekt und versuchen, dem anderen Ruhe zu gönnen, wenn es geht. Aber das ist keine Zweisamkeit. Jetzt grad nicht.
Jedes Lächeln, jede ruhige halbe Minute wird gefeiert.

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